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Motive der Bluttat vorerst im dunkeln

Die britische Labour-Politikerin Joanne Cox ist nach einer Bürgersprechstunde in ihrem Heimatwahlkreis durch Schüsse und Messerstiche getötet worden. Beide politischen Lager haben den EU-Abstimmungskampf unterbrochen.
Sebastian Borger

LONDON. Nach dem mörderischen Anschlag auf eine Abgeordnete des Londoner Unterhauses haben gestern beide Lager im EU-Referendumskampf ihre Kampagnen vorläufig unterbrochen. Die Labour-Politikerin Joanne Cox, 41, wurde am frühen Nachmittag in Birstall bei Leeds (Grafschaft Yorkshire) durch mehrere Schüsse sowie Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Sie starb kurze Zeit danach in einem Spital. Die Polizei nahm einen 52jährigen Arbeitslosen fest. Premier David Cameron sowie Labour-Oppositionsführer Jeremy Corbyn äusserten sich bestürzt über die Bluttat. «Sie war ein Star für ihre Wahlbürger und ein Star im Parlament, über Parteigrenzen hinweg», sagte der Regierungschef.

Die Mutter von zwei Kindern war vor einem Jahr für ihren Heimatbezirk Batley and Spen ins Unterhaus gewählt worden und genoss dort hohes Ansehen. «Sie hat uns alle mitgerissen», berichtete der konservative Abgeordnete und frühere Entwicklungshilfeminister Andrew Mitchell dem TV-Sender Channel Four.

Vor ihrer Wahl ins Parlament arbeitete Cox als Lobbyistin für die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam. Als Parlamentarierin engagierte sich die Absolventin der Elite-Universität Cambridge besonders für eine Lösung des Kriegs in Syrien. Dazu gründete sie eine überparteiliche Gruppe interessierter Abgeordneter, der sie auch vorstand. In der Abstimmung über den Einsatz der Royal Air Force in Syrien enthielt sich Cox der Stimme und verstiess damit gegen die Vorgabe der Parteiführung.

Keine Angaben zum Motiv

Mit ihrem Mann Brendan und den zwei Kindern lebte Cox in einem umgebauten Lastkahn, der auf der Themse nahe der Tower Bridge festgemacht ist. «Sie glaubte an eine bessere Welt und kämpfte dafür mit einer Energie, die viele andere erschöpfen würde», schrieb Cox' Mann in einer Stellungnahme. Der Manager von Entwicklungshilfeorganisationen rief zur Einigkeit auf «gegen den Hass, der sie getötet hat».

An einer Pressekonferenz in Leeds verweigerte die Leiterin der örtlichen Kriminalpolizei, Dee Collins, Angaben zum Motiv des mutmasslichen Täters. Augenzeugen hatten berichtet, der Täter habe «Britain first» gerufen, was auf einen rechtsextremen Hintergrund schliessen liesse. Die Kleinstpartei gleichen Namens wies jede Verantwortung von sich. Nachbarn des Tatverdächtigen, der seit 32 Jahren in der gleichen Sozialwohnung gelebt hat, konnten sich an politische Äusserungen des passionierten Gärtners nicht erinnern.

Die Tat ereignete sich auf dem Marktplatz vor der Bibliothek der Stadt. Cox hielt dort eine wöchentliche Bürgersprechstunde ab, was der Routine von Unterhausabgeordneten entspricht. Beim Verlassen des Gebäudes, womöglich für eine kurze Mittagspause, kam es zu der Bluttat. Anschliessend soll der Täter der Kriminalpolizei zufolge noch einen 77-Jährigen attackiert haben; dessen Verletzungen wurden gestern als nicht lebensgefährlich beschrieben.

Referendum als Hintergrund?

Premier Cameron sagte eine geplante Reise nach Gibraltar ab, wo er für den Verbleib Grossbritanniens in der EU werben wollte. Alle Lager im Referendumskampf vereinbarten Ruhe für den Abend, auch mehrere für heute geplante Veranstaltungen wurden gestrichen. Cox war Anhängerin der britischen EU-Mitgliedschaft. Ob der Anschlag mit dem Referendum in Verbindung steht, blieb gestern offen.

Angriffe auf britische Parlamentsabgeordnete sind ausserordentlich selten.

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