Moskau zweifelt Bericht an

Eine Luftabwehrrakete brachte Flug MH17 über der Ostukraine zum Absturz: Zu diesem Schluss kommen die niederländischen Ermittler. Russland und der Raketenhersteller jedoch erheben Einwände.

Fabian Fellmann/Brüssel
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Gestern wurde der Abschlussbericht zum Absturz des Flugs MH17 veröffentlicht. (Bild: epa/Robin van Lonkhuijsen)

Gestern wurde der Abschlussbericht zum Absturz des Flugs MH17 veröffentlicht. (Bild: epa/Robin van Lonkhuijsen)

Die Rakete explodierte knapp vier Meter links über dem Cockpit der Boeing 777-200 an jenem 17. Juli 2014. Tausende kleiner Geschossteilchen flogen in alle Richtungen, Hunderte davon trafen das Flugzeug der Malaysia Airlines und töteten die drei Personen im Cockpit sofort. Die Boeing brach zwischen Cockpit und Business Class auseinander, die Teile rasten auf den Boden zu, wo der Mittelteil mit den Turbinen Feuer fing. Die 283 Passagiere und die 15 Crew-Mitglieder hatten keine Chance.

So schildert die niederländische Fluguntersuchungsbehörde den Verlauf des Absturzes von Flug MH17 über der Ostukraine. Nach mehr als einem Jahr Arbeit hat Präsident Tjibbe Joustra gestern den Abschlussbericht über die Absturzursache vorgestellt. Seine Behörde hatte die Untersuchungen übernommen, weil die allermeisten Opfer des Flugs von Amsterdam mit Ziel Kuala Lumpur Niederländer waren.

Rakete aus russischer Produktion

Der Absturz von MH17 markierte einen Wendepunkt im Konflikt in der Ostukraine. Damals bekriegten sich ukrainische Truppen und Separatisten in der Region. Schnell kamen zahlreiche Indizien zum Vorschein, dass die von Russland unterstützten Separatisten das Flugzeug abgeschossen hatten. Die Europäische Union und die USA verschärften darauf ihre Sanktionen gegen Russland, das seinerseits die ukrainische Armee für den Absturz verantwortlich machte. Über die Ursache kursierten zahlreiche Thesen, von einer Bombenexplosion bis zu einem Abschuss durch Kampfjets.

Im Abschlussbericht kommen die Experten nun zu einem klaren Befund: Das Geschoss, welches MH17 vom Himmel holte, war eine Buk-Luftabwehrrakete aus der russischen Waffenschmiede Almas-Antei (s. unten). Hauptindiz dafür sind Geschossteile, welche die Ermittler in Teilen des Cockpits, des Flügels sowie in Leichen der Opfer fanden. Charakteristisch etwa sind 14 mal 14 Millimeter grosse Stahlteile in Form einer Querbinde sowie Würfel mit rund sechs Millimetern Kantenlänge, welche die Buk mit grosser Wucht versprengt. Laut den Ermittlern existieren keine anderen Raketen mit ähnlich geformtem Schrapnell. Auch Farbspuren an den Teilen deuten auf eine Buk hin, ebenso die Verteilung der Einschlagslöcher am Cockpit, wie Joustra gestern erklärte.

Unter Kontrolle der Separatisten

Wer die Rakete abfeuerte und ob dies absichtlich geschah, fördert der Bericht indes nicht zutage. Klärung bringen soll eine separate internationale Strafuntersuchung, die erst im kommenden Jahr abgeschlossen sein wird. Doch der Bericht liefert deutliche Hinweise: Gemäss den Berechnungen der Experten wurde die Rakete aus einem 320 Quadratkilometer grossen Gebiet in der Ostukraine abgefeuert, das damals unter der Kontrolle der Separatisten stand.

Russland hat eigene These

Sowohl Russland als auch der Hersteller der Rakete ziehen diese Einschätzung allerdings in Zweifel. Almas-Antei erklärte, eine eigene Untersuchung widerlege die Erkenntnisse der Niederländer. Dafür habe man sogar einen ausgemusterten Jet mit einer Buk-Rakete abgeschossen. Demnach müsse die Rakete, welche MH17 traf, aus ukrainisch beherrschten Gebieten gekommen sein.

Auch die Russische Föderation erhob zahlreiche Einwände gegen die Schlussfolgerungen der niederländischen Ermittler. Als eines von sieben an der Untersuchung beteiligten Länder konnte Russland Korrekturen an dem Bericht fordern, welche gestern öffentlich gemacht wurden. Die russischen Vertreter haben demnach an verschiedenen Stellen versucht, die Aussagen des Berichts zu verwässern – all jene, welche eindeutig auf eine Buk-Rakete als Absturzursache hinweisen. Während sich die Niederlande, die USA, die Ukraine, Malaysia, Australien und Grossbritannien von den Befunden der Fachleute überzeugen liessen, hält Russland insbesondere an der Möglichkeit fest, dass eine Luft-Luft-Rakete MH17 getroffen haben könnte. Das ist laut Joustra jedoch ausgeschlossen: «Das Schadenbild wäre anders, und Radarbilder hätten andere Flugzeuge gezeigt.» Westliche Politiker jedenfalls stellten sich gestern klar hinter die Schlussfolgerungen des Berichts, den etwa die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini als «einen wichtigen Schritt zur Aufklärung» bezeichnete.

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