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Nowitschok-Vergiftungen in Salisbury: Grossbritannien fordert Aufklärung aus Moskau

Die neuerliche Nowitschok-Vergiftung eines Paars im englischen Salisbury belastet das Verhältnis zwischen ­Grossbritannien und Russland weiter.
Sebastian Borger, London
Eine Polizistin überwacht ein Sperrgebiet in Salisbury. (AP Photo/Matt Dunham/AP; 5. Juli 2018)

Eine Polizistin überwacht ein Sperrgebiet in Salisbury. (AP Photo/Matt Dunham/AP; 5. Juli 2018)

Die Vergiftung eines britischen Paares durch den chemischen Kampfstoff Nowitschok droht die ohnehin angespannten britisch-russischen Beziehungen weiter zu belasten. Nach einer Sitzung des Krisenstabes Cobra wollte Innenminister Sajid Javid gestern dem Londoner Unterhaus über die Ermittlungen in Salisbury berichten. Sein Staatssekretär Ben Wallace verwies auf den Mordanschlag gegen den Doppelagenten Sergej Skripal und forderte gegenüber der BBC Aufklärung aus Moskau: «Russland könnte unsere sämtlichen Wissenslücken beseitigen und damit die Sicherheit der Menschen gewährleisten.»

Der mehr als 100-köpfigen Sonderkommission von Scotland Yard sowie britischen Medienberichten zufolge waren Dawn Sturgess (44) und Charlie Rowley (45) am vergangenen Freitagnachmittag und -abend im südenglischen Provinzstädtchen Salisbury unterwegs gewesen. Nach diversen Einkäufen machten sie es sich im Queen Elizabeth Gardens, einem kleinen Park am Avon-Fluss, bequem und genossen die sommerliche Hitze.

Die Nacht verbrachte das arbeitslose Paar in Rowleys Wohnung im etwa 12 Kilometer entfernten Amesbury. Dort wurde am Samstagmorgen Sturgess so krank, dass ihr Partner den Notarzt rief. Am Nachmittag veränderte sich auch Rowleys Zustand. «Er schwitzte stark, seine Augen waren rot, seine Pupillen winzigklein, er halluzinierte», beschrieb ein Freund, Sam Hobson (29), die Symptome des 45-Jährigen im «Guardian». Tests im wenige Kilometer entfernten ABC-Labor von Porton Down ergaben: Die in Lebensgefahr schwebenden Patienten leiden an einer Nowi­tschok-Vergiftung. Damit ist Grossbritannien bereits zum zweiten Mal mit dem höchst seltenen Kampfstoff konfrontiert, der in den 1980er-Jahren in sowjetischen Labors entwickelt wurde.

Winzige Reste des ­Nervengifts verschleppt

In Salisbury und Amesbury sind nun, wie im März nach dem Anschlag auf die Skripals, diverse Geschäfte und Grünflächen geschlossen. Wissenschafter in Spezialanzügen nehmen Proben an all jenen Stellen, die von den beiden Opfern zuletzt besucht worden waren. Hobson wird regelmässig untersucht. Die Gesundheitsbehörde Public Health England wehrte sich gestern gegen Vorwürfe, ihre wochenlange Säuberungsaktion in Salisbury sei im Frühjahr nicht gründlich genug gewesen.

Bei Scotland Yard hiess es gestern zwar, man ermittle in «alle Richtungen». Es gilt allerdings als wahrscheinlich, dass winzige Reste des tödlichen Giftes an einer der Stellen abgelegt wurden, die Sturgess und Rowley am Freitag besuchten. Experten zufolge verringert sich die Toxizität von Nowitschok nur sehr langsam. Die Opfer könnten wenige Moleküle durch die Haut aufgenommen haben, was die verlangsamte Wirkung erklären würde.

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