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MOSKAU: Russland sieht sich zu einer Reaktion «gezwungen»

Wie du mir, so ich dir: Russland straft alle Länder ab, die russische Diplomaten wegschicken.

Der Hintergrund des Hickhacks ist ein Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und Tochter Julia in der südenglischen Kleinstadt Salisbury. Die beiden wurden am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der Innenstadt entdeckt. Die ­britischen Ermittler gehen davon aus, dass beide mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurden. London bezichtigt den Kreml als Drahtzieher des Anschlages. Moskau weist diese Anschuldigungen zurück.

Als Reaktion auf die mutmassliche Verstrickung Russlands in den Giftanschlag verwiesen in den letzten Tagen und Wochen 27 Staaten und die Nato mehr als 140 russische Diplomaten des Landes. Das wiederum lässt sich Russland nicht gefallen. Moskau hat gestern die Botschafter von 23 Ländern zu sich zitiert und zahlreiche Diplomaten aus EU-Ländern verwiesen. Zum Beispiel Deutschland muss – ebenso wie Polen – innerhalb einer Woche vier Diplomaten abziehen, Finnland und Lettland verlieren den jeweiligen Aussenministerien zufolge je einen Diplomaten in Moskau. Die britische Vertretung habe einen Monat Zeit, um die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren, hiess es weiter. Sie solle dann der Zahl der russischen Botschaftsmitarbeiter in London entsprechen. Russland und Grossbritannien hatten bereits in einem ersten Schritt je 23 Diplomaten weggeschickt.

Bereits am Donnerstagabend hatte Russland die Ausweisung von 60 US-Diplomaten und die Schliessung des US-Konsulates in St. Petersburg angekündigt. Die USA ihrerseits hatte wenige Tage davor bekannt gegeben, die gleiche Anzahl russischer Diplomaten wegzuschicken. Das Aussenministerium in Moskau teilte denn gestern auch mit, die Sanktionen seien die Antwort auf die «unfreundschaftlichen Handlungen gegenüber Russland». Russland sei zur diplomatischen Reaktion gezwungen gewesen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in einem Interview. «Wir haben den diplomatischen Krieg nicht begonnen.» Russland bleibe aber weiterhin offen für gute Beziehungen zu den Ländern.

Unter anderem die Schweiz und Österreich haben sich entschieden, keine russischen Diplomaten auszuweisen, bevor die Beweislage im Fall Skripal eindeutig sei. «Bevor die Schweiz allfällige Schlussfolgerungen zieht in Bezug auf die Hintergründe und Urheberschaft dieser Tat, müssen die Ergebnisse der laufenden Untersuchungen abgewartet werden», sagte eine Sprecherin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte erklärt, er unterstütze die Massnahme, den EU-Botschafter in Russland abzuziehen, verzichte aber auf «nationale Massnahmen», um die «Gesprächskanäle» nach Russland offenzuhalten.

Tochter ist wieder bei Bewusstsein

Die britischen Ermittler suchen fast vier Wochen nach dem Anschlag nach weiteren Spuren. Britische Medien berichteten, Julia Skripal sei wieder bei Bewusstsein. Die 33-jährige Russin könne bereits wieder essen und trinken. Die Ermittler hofften, durch eine Aussage von ihr zu erfahren, ob sie und ihr Vater vor dem Attentat verfolgt wurden. Der 66-jährige Sergej Skripal ist in einem kritischen, aber stabilen Zustand.

Das Nervengift Nowitschok soll an den Händen der Opfer nachgewiesen worden sein. Beide kamen wohl an ihrer eigenen Haustür in Salisbury mit dem Gift in Kontakt, wie die Ermittler herausfanden. (sda)

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