Moskau bietet nicht Hand

Die russisch-amerikanischen Beziehungen bewegen sich seit langem um den Gefrierpunkt. Der Neustart im bilateralen Verhältnis, den US-Präsident Obama und Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew 2009 noch in Gang zu setzen versuchten, wurde nie wirklich umgesetzt.

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Die russisch-amerikanischen Beziehungen bewegen sich seit langem um den Gefrierpunkt. Der Neustart im bilateralen Verhältnis, den US-Präsident Obama und Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew 2009 noch in Gang zu setzen versuchten, wurde nie wirklich umgesetzt. Störversuche, Sticheleien, Schadenfreude und Häme bestimmen den Umgang miteinander. Die Affäre um Edward Snowdon, der in Moskau Zwischenstation auf der Reise angeblich nach Ecuador machte, hat die Spannungen noch erhöht. Moskau lehnte es ab, den Wünschen der USA nach Auslieferung Snowdons nachzukommen.

Für eine Festnahme gebe es keine rechtliche Handhabe, verlautete von der russischen Seite. Auch die internationale Datenbasis Interpols enthalte keine Informationen über den flüchtigen 30-Jährigen.

In Russland scheint er nicht um Asyl angehalten zu haben, obwohl sich die Medien in Spekulationen verstiegen und eine dramatische Verschlechterung der Beziehungen zu den USA bereits an die Wand malten. Geheim gehalten wurde auch, ob es Kontakte zwischen russischen Behörden und dem Transitreisenden gab und ob der Geheimdienst versuchte, ihn zum Bleiben in Russland zu bewegen.

Dass Snowdon der amerikanische Pass aberkannt wurde, stellt für die russischen Grenztruppen auch keinen Grund zur Festnahme dar: Der Reisende halte sich im Transitbereich hinter der Passkontrolle auf. Dass Russland die Aufregung in den USA auskostet und jede Anfrage aus Washington genüsslich abtropfen lässt, ist kaum zu übersehen.

Klaus-Helge Donath