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Kletterverbot auf den Uluru: Touristen respektieren Wunsch der Ureinwohner nicht

Der Ansturm der Touristen vor dem Kletterverbot auf den Uluru in Australien – früher als Ayers Rock bekannt – empört die Ureinwohner.

Urs Wälterlin aus Canberra
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Ab Samstag ist Schluss: Auch in den letzten Tagen vor dem Verbot des Aufstiegs auf den Uluru standen sie noch Schlange. Hunderte Menschen, die entgegen des Wunsches der australischen Ureinwohner darauf beharrten, auf den 348 Meter hohen Berg zu klettern.

Die Schulfreunde Jeff Lis, 52, und Stefan Gangur, 51, aus Melbourne traten ihre erste Reise ins Rote Zentrum an. «Als Kind hatte ich immer gesagt, dass ich eines Tages klettern werde. Jetzt, da sie den Aufstieg schliessen, dachten wir, wir sollten herkommen», so Lis zur Nachrichtenagentur AAP. Die Temperatur sollte an dem Tag 36 Grad übersteigen. So ist der Aufstieg auf den früher als Ayers Rock bekannten Berg nur zwischen 7 und 8 Uhr erlaubt – ein kleines Zeitfenster für die letzten Verbissenen.

Verbissen müssen die Kletterer sein, schon allein wegen der Anstrengung. Es gibt zwar eine Kette, an der man sich hochziehen kann. Der Aufstieg ist aber gefährlich, mindestens 37 Menschen sind in den letzten Jahren gestorben. Die Kletterer machen den Aufstieg entgegen den ausdrücklichen Wünschen der lokalen Anangu – Ureinwohner.

Auf grossen Schildern am Fuss des Berges bitten die Aborigines, das Besteigen zu unterlassen. Aus Gründen der Sicherheit – die traditionellen Besitzer des Landes fühlen sich für das Wohlergehen von Besuchern verantwortlich – und aus Respekt vor ihrer Kultur. Für die Ureinwohner ist der Berg heilig. Nur speziell initiierte Männer dürfen hochklettern – und auch das nur zu ganz besonderen Gelegenheiten.

Nur noch eine Minderheit der Besucher will klettern

Verboten aber war der Aufstieg bisher nicht. Nachdem den Anangu 1985 von der Regierung nach fast 200 Jahren Enteignung das Besitzrecht an ihrem Land zurückgegeben worden war, liessen sie den Nationalpark Uluru-Kata-Tjuta von einem Aufsichtsrat verwalten, der von der Tourismusindustrie dominiert war. Erst 2017 kamen die Aborigines mit ihrem Wunsch nach der Schliessung des Aufstiegs durch. Reiseveranstalter und Tourismusbehörden hatten über Jahre behauptet, Zentralaustralien würde an Attraktivität verlieren, wenn der Klettergang nicht mehr möglich ist. Umfragen zeigen, dass heute nur noch eine Minderheit der Besucher klettern will. Die meisten Touristen wandern um den Uluru, ein einfacher Spaziergang von zehn Kilometern Länge.

Jene, die unbedingt nochmals klettern wollen, müssen sich in Internetforen vorwerfen lassen, «Ignoranten» zu sein, ja Rassisten. Auf einige der Befragten trifft diese Kritik wohl zu – ganz besonders Australier. Sie bestehen auf ihr «Geburtsrecht», den Uluru besteigen zu können. In Radioprogrammen äussern sich Kletterer regelmässig abschätzig über die Ureinwohner. «Der Berg gehört genauso mir wie denen», so ein junger Mann. «Ich bin in Australien geboren, also bin ich auch Eingeborener.»

Paul Newcombe dagegen hatte erst klettern wollen, entschied sich dann aber dagegen – und verglich den Aufstieg mit dem «Klettern auf eine Kirche». Die Kritikerin Laura McBride hatte auf Twitter harte Worte für die Horden von Endspurt-Kletterern: «Eine Masse von moralisch und ethisch bankrotten Leuten.»