Morales kämpft für Kokaanbau

Boliviens Präsident ist mit dem Vorstoss zur Legalisierung des Kokaanbaus in der UNO vorerst gescheitert. USA fürchten negative Wirkung auf Drogenbekämpfung.

Sandra Weiss
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Evo Morales (Bild: ap)

Evo Morales (Bild: ap)

Puebla. «Unser Vorschlag war, das Kokakauen zu erlauben. Diejenigen, die dagegen sind – darunter die USA, Schweden, Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, Japan und Kanada –, argumentieren aber, sie wollten das Kokablatt nicht von der Liste kontrollierter Substanzen streichen. Doch das haben wir gar nicht vorgeschlagen», erklärte Boliviens UNO-Botschafter Pablo Solon.

Tradition als Heilmittel

Das Kauen von Kokablättern – in den Anden Tradition – wurde 1961 von der UNO verboten. Seit 1988 wird es aber, in gewissen Gegenden, geduldet. Die Andenländer – einschliesslich des engen US-Verbündeten Kolumbien – hatten keine Einwände gegen Boliviens Vorstoss, es offiziell zu legalisieren. Laut Weltgesundheitsorganisation entsteht durch das Kokakauen kein gesundheitlicher Schaden, vielmehr könnten therapeutische Effekte erzielt werden. Es helfe gegen die Höhenkrankheit und Erschöpfung, weshalb es bei hart arbeitenden Bergleuten in Bolivien beliebt ist.

Die USA argumentieren aber, die Legalisierung schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall und sei ein negatives Zeichen im Kampf gegen die Drogen. Boliviens Regierung fördert den Kokaanbau, etwa zur Herstellung von Tee, Shampoos, einheimischen Erfrischungsgetränken und Zahnpasta. In Bolivien sind 7000 Hektar für die Anpflanzung von Koka freigegeben. Hunderttausende leben vom Anbau.

Milliardengewinne der Mafia

Laut UNO-Büro wurden die Anbauflächen in den vergangenen Jahren allerdings auf 30 000 Hektar ausgeweitet – vor allem für die Drogenherstellung. 2009 erwirtschaftete der Drogenhandel nach Schätzungen der Regierung zwischen 300 und 700 Millionen Dollar in Bolivien.

Boliviens Präsident Morales, einst selbst Kokabauer, will dennoch nicht klein beigeben. Bolivien beantragt nun eine internationale Konferenz zu dem Thema, und Morales schloss nicht aus, dass La Paz die aus dem Jahr 1961 stammende Drogen-Konvention der UNO aufkündige.

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