«Modell-Offensive» in Kunduz

Hartes Vorgehen von US-Spezialeinheiten in der Region Kunduz. US-General McChrystal demonstriert seine neue Strategie und bewahrt die deutsche Bundeswehr vor einer Blamage.

Willi Germund
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Spezialeinheiten der US-Armee verschärfen in Afghanistan mit der Anti-Terror-Mission «Enduring Freedom» den Krieg gegen die Taliban. (Bild: ap/David Guttenfelder)

Spezialeinheiten der US-Armee verschärfen in Afghanistan mit der Anti-Terror-Mission «Enduring Freedom» den Krieg gegen die Taliban. (Bild: ap/David Guttenfelder)

Bangkok. In der Umgebung der nordafghanischen Provinzhauptstadt Kunduz, dem Einsatzgebiet eines «Wiederaufbau-Teams» (PRT) der deutschen Bundeswehr, sind US-Spezialeinheiten unter dem Kommando der Antiterror-Operation «Enduring Freedom» eine Woche lang massiv gegen die Taliban vorgegangen. Bodentruppen hatten das Gebiet zuvor für Zivilisten weitgehend abgeriegelt. 130 Aufständische sollen in fünftägigen Kämpfen getötet worden sein. Abdul Salam, Talibanchef des Gebiets, sei aber verletzt entkommen.

Ein Dutzend Taliban seien festgenommen, etwa 25 verletzt worden.

Zivilisten schützen

Im vergangenen Sommer hatte McChrystal kurz nach seinem Amtsantritt Luftangriffe untersagt, die Zivilisten gefährden könnten. Der Befehl soll helfen, verlorene Sympathien in der Bevölkerung zurückzugewinnen. Zuletzt waren viele Zivilisten unter den 140 Toten in der Nähe von Kunduz, als die Bundeswehr das Bombardement von zwei entführten Tanklastwagen angeordnet hatte. McChrystal besuchte damals den Ort des Blutbads und übte scharfe Kritik am Vorgehen der Bundeswehr.

Neue Einsatzdoktrin

Kurz nach dem «Kulturwandel», wie McChrystal seine Anordnung im Sommer beschrieben hatte, machten Offiziere im Isaf-Hauptquartier in Kabul deutlich, dass sich hinter dem politisch geschickten Schachzug des ehemaligen Chefs von Spezialeinheiten in Irak eine grundsätzlichere Änderung im militärischen Vorgehen versteckte. «Wir werden versuchen, Taliban mit deren eigenen Waffen zu treffen», hiess es damals.

Man werde verstärkt mit kleinen Einheiten operieren, die Hinterhalte legen und hypermoderne Sprengfallen gegen die Taliban einsetzen. Ausserdem werde man versuchen, ganze Talibangruppen zu vernichten.

Deutsche Erleichterung

Zumindest in deutschen diplomatischen Kreisen herrscht Erleichterung über das US-Vorgehen.

«Angesichts der Entwicklung war deutlich geworden, dass die Bundeswehr die Talibangewalt in der Region Kunduz nicht in den Griff bekommt», hiess es. Die US-Truppen haben dies nun übernommen, ohne die Deutschen zu blamieren. Die Bundeswehr hielt während der US-Offensive Sanitätseinheiten für den Notfall bereit.

Die Bundeswehr war vor Beginn des Angriffs auf das Gebiet nordwestlich der Stadt Kunduz gefragt worden, ob sie sich beteiligen würde. Das Angebot wurde abgelehnt.

Stattdessen zogen die US-Truppen Einheiten der afghanischen Streitkräfte ANA hinzu.

Afghanisches Lob

Kunduz-Gouverneur Mohammed Omar, der sich in der Vergangenheit mehrmals über das «zahme Verhalten» der Bundeswehr beklagt hatte, pries die Militäraktion: «Das ist die Sprache, die diese Leute verstehen.» Das Gebiet stand während der vergangenen 18 Monate fast komplett unter Kontrolle der Taliban.

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