Mit YouTube gegen illegale Einwanderung

Der Bund will potenzielle Einwanderer über Risiken der illegalen Migration informieren – nicht zum ersten Mal. Aufsehen erregte bereits vor Jahren ein Spot, der am kamerunischen Fernsehen ausgestrahlt wurde und auch auf der Videoplattform YouTube zu finden ist.

Lukas Leuzinger
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Andy Tschümperlin Fraktionschef der SP (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Andy Tschümperlin Fraktionschef der SP (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Der Bund will potenzielle Einwanderer über Risiken der illegalen Migration informieren – nicht zum ersten Mal. Aufsehen erregte bereits vor Jahren ein Spot, der am kamerunischen Fernsehen ausgestrahlt wurde und auch auf der Videoplattform YouTube zu finden ist. Er zeigt einen illegalen Einwanderer, der seinem Vater in Kamerun am Telefon vom Leben in der Schweiz erzählt. Er wohne bei einem Freund, er habe sich an der Universität eingeschrieben. Szenen, die dazwischen eingespielt werden, zeigen die bittere Realität: Der junge Mann schläft auf der Strasse, muss betteln, um zu überleben. Die Botschaft an die Zuschauer: «Glaub nicht alles, was du hörst!»

Finanziert wurde der Spot durch den Bund. Ähnliche Projekte führt das Staatssekretariat für Migration (SEM) regelmässig durch. In einem Video, das sich an Flüchtlinge aus dem Balkan richtet, wird erklärt, dass die Schweiz die Länder des ehemaligen Jugoslawiens als sichere Staaten betrachte. Gesuchsteller aus diesen Ländern «müssen damit rechnen, innert Tagen wieder heimgeschickt zu werden».

Falsche Erwartungen verhindern

Ziel solcher Projekte ist laut SEM-Sprecher Martin Reichlin nicht Abschreckung, sondern Information über die Risiken der illegalen Migration. «Für die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz solcher Projekte ist es wichtig, dass diese Informationen korrekt sind und nicht die Migration als solche negativ darstellen.»

Bürgerliche Politiker halten diese Politik für sinnvoll. «Solche Kampagnen müssen unbedingt verstärkt werden», sagt CVP-Politiker Gerhard Pfister. Potenzial sieht er insbesondere in Eritrea und dessen Nachbarländern. Damit liessen sich falsche Erwartungen verhindern. Skeptischer ist SP-Fraktionschef Andy Tschümperlin: «Solche Kampagnen sind problematisch. Die europäischen Staaten sollten besser zusammenarbeiten, anstatt einen Wettbewerb auszutragen, wer am unattraktivsten ist.» Das heisse nicht, dass man nicht aufklären soll. Tschümperlin plädiert dafür, «das Geld in gute Filme zu stecken als in PR-Kampagnen». Das nächste SEM-Projekt könnte im Sinne Tschümperlins sein: In Nigeria soll eine 13teilige Fernsehserie gedreht werden, die sich um das Thema illegale Migration dreht. Die Kosten übernimmt der Bund.

«Schweiz hat konsequente Politik»

Dänemark begründet seine Kampagne unter anderem mit einer Liste, welche die Lebensbedingungen verschiedener europäischer Staaten vergleicht und die unter Flüchtlingen kursieren soll. Die Schweiz ist auf der Liste nicht aufgeführt. Für Pfister zeigt die Liste aber, «dass die Schweiz unbedingt ihre Attraktivität als Asyldestination senken muss». Tschümperlin hält dies für den falschen Weg. «Die Schweiz hat eine sehr konsequente Asylpolitik.» Er verweist darauf, dass die Erledigung der Gesuche in jüngster Zeit beschleunigt wurde und dass Asylsuchende, deren Gesuch abgelehnt wurde, nur noch Nothilfe erhalten. Die Schweiz sei daher «sicher nicht zu attraktiv im Vergleich mit anderen Ländern».