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Thailand: Mit Rap gegen die Diktatur

Zehn Rapper haben ihre Wut über das Militärregime zum Ausdruck gebracht. Ihr Song «Prathet Ku Mi» wurde auf YouTube schon 33 Millionen Mal angeklickt. Nun hat das Regime zurückgerappt.
Ulrike Putz, Singapur
Die Rapper Pratchayaa Surakamchonrot alias Jacoboi (rechts) und Dechathorn Bamrungmuang alias Hockhacker sind Teil des Kollektivs «Rap Against Dictatorship». (Bild: Diego Azubel/EPA, Bangkok, 9. November 2018)

Die Rapper Pratchayaa Surakamchonrot alias Jacoboi (rechts) und Dechathorn Bamrungmuang alias Hockhacker sind Teil des Kollektivs «Rap Against Dictatorship». (Bild: Diego Azubel/EPA, Bangkok, 9. November 2018)

Die Männer in dem Musikvideo sind jung, zornig und wortgewandt: Nacheinander treten sie vor ihre ebenfalls aufgebrachten Zuschauer und schleudern ihre Verse in die Kamera. «Prathet Ku Mi» («Mein Land hat») heisst der Song, in dem das thailändische Musiker-Kollektiv «Rap against Dictatorship» ihrer Wut auf die Militärregierung in Bangkok Luft macht.

Mit markigen Gesten tragen die zehn Künstler ihre Texte vor. «Das Parlament ist ein Spielplatz von Soldaten», heisst es da. «Das Land schickt Gesetze mit Maschinenpistolen zum Teufel», wird an anderer Stelle gerappt. «Soldatenstiefel schreiben die Verfassung – und radieren sie aus!», brüllt einer.

Der Song hat in Thailand ohne jeden Zweifel einen Nerv getroffen: 33 Millionen Mal wurde das in Schwarz-Weiss gedrehte Video inzwischen auf Youtube angeschaut. Einziger Farbtupfer im Clip ist die Gitarre, die wie die thailändische Flagge in Rot, Weiss und Blau gehalten ist. Die Rapper, allesamt bekannte Musiker, sehen sich nicht als Nestbeschmutzer. Sie seien viel mehr Patrioten, die es als Pflicht empfänden, Thailands Missstände anzuprangern, sagten Mitglieder der Gruppe in Interviews mit lokalen Medien.

Die Musiker meinen mit ihrer Kritik nicht nur die aktuelle Junta, die sich im Mai 2014 mit einem Staatsstreich die Macht sicherte und die 70 Millionen Thailänder seitdem mit harter Hand regiert. Das Lied ist auch eine historische Abrechnung mit einer Institution, die in den vergangenen 70 Jahren ganze 19 Mal geputscht hat.

Drohungen verpufften

Skandale aus Jahrzehnten der Militärdiktatur werden erwähnt; wie die Armee-Elite sich und ihren Familien Luxusapartments gesichert hat, auf Staatskosten teure Uhren sammelt und sich bei der Jagd auf vom Aussterben bedrohte Leoparden erholt. Das Video endet mit einer Referenz an ein Massaker. 1976 stürmten Sicherheitskräfte die Thammasat-Universität in Bangkok und töteten mindestens 46 Studenten. Das Blutbad war der Startschuss für eine erneute Machtübernahme des Militärs.

Als Song und Video Ende Oktober veröffentlicht wurden, reagierte die Junta schnell. Doch Versuche, den Clip aus dem Netz zu nehmen, scheiterten: Aktivisten hatten es mit Hilfe von Blockchain-Technologie unlöschbar gemacht. So wurde der «Rap against Dictatorship» zum Massenphänomen – und das schützt seine Urheber. Anfängliche Drohungen, nach denen die Rapper und jeder, der das Video teilt, verhaftet und für fünf Jahre ins Gefängnis gesteckt werden sollten, verpufften. Zwar wurden einige Musiker von einem Regierungsgremium verhört, doch hat die Militärregierung bisher von drastischen Strafen abgesehen.

Stattdessen versucht die Armee, mit einem eigenen Song dagegenzuhalten.«Es gibt viele talentierte Thais, wenn wir zusammenarbeiten würden, wären wir stärker» heisst es in dem wenig eingängigen Propaganda-Schlager «Thailand 4.0». «Wenn alle zustimmen, ist es einfacher», wirbt er um politische Linientreue. Im Video sind dazu erfolgreiche junge Leute zu sehen, die als IT-Fachleute und Roboter-Entwickler ihre Heimat voranbringen. Beim Volk macht das wenig Eindruck: Zwar hat «Thailand 4.0» bereits 4,5 Millionen Aufrufe auf Youtube, doch zeigen dort zigtausende Daumen nach unten.

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