Mit Pöbeln auf Erfolgskurs

Milliardär Donald Trump dominiert das Feld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber. Das Monster, das die Partei geschaffen hat, droht seine Schöpfer zu zerstören.

Thomas Spang
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WASHINGTON. Alle sind empört über den 69jährigen Baulöwen mit der blondierten Tolle, die wie eine Landebahn über seine Stirn herausragt. Kein Tag vergeht, an dem «The Donald» nicht jemanden in Terrier-Manier angreift. Meist aus seiner Wahlkampfzentrale im ersten Stock des nach ihm benannten Wolkenkratzers an der Fifth Avenue in Manhattan. Ein Symbol der Achtzigerjahre – so gestrig wirkend wie dessen Besitzer, der in dieser Zeit den Grundstock für sein heute rund zehn Milliarden Dollar grosses Vermögen legte.

Reichtum garantiert Gehör

Dieser Reichtum garantiert Donald Trump Gehör. «Jeb Bush hat gerade verkündet, er habe hundert Millionen Dollar eingenommen», ätzte Trump etwa gegen den Liebling der Country-Club-Republikaner. «All diese Spender bekommen etwas zurück zum Schaden Amerikas!»

Als John McCain, der Säulenheilige der Partei, die Anhänger Trumps als «Verrückte» abkanzelte, reagierte Trump mit voller Breitseite. McCain sei doch nur ein Kriegsheld, weil er gefangen- genommen wurde. «Ich mag Leute, die nicht gefangengenommen wurden.»

«Für so etwas gibt es keinen Platz in unserem Land», empörte sich Bush über die Ausfälle. Bush irrt. Es hat in republikanischen Wahlkämpfen Tradition. Als Bruder George W. 2004 mit einer Schmieren-Kampagne den hochdekorierten Vietnam-Krieger John Kerry in den Schmutz zog, regte sich niemand auf. Wie es in Reihen der US-Konservativen geradewegs ein Sport wurde, allen möglichen Schmäh über den ersten schwarzen Präsidenten im Weissen Haus zu verbreiten. Die Sitten der weit nach rechts gerückten Partei sind schon lange verroht. Dass Trumps Ausfall gegen McCain den Aufschrei des Establishments auslöste und nicht dessen frühere Hetze gegen die Mexikaner («Mörder und Vergewaltiger»), spricht Bände.

An der Spitze der Bewerber

Jetzt kommt die Quittung. In fünf Umfragen hintereinander liegt Trump an der Spitze des 16köpfigen Bewerberfelds. Rund ein Viertel der Republikaner unterstützt ihn.

Der Sohn eines schwedischen Bauunternehmers und einer schottischen Hausfrau, der sich in der rauhen Welt des Immobiliengeschäfts ganz nach oben boxte, spricht einem Segment der Republikaner aus der Seele, das sich von der Politik im Stich gelassen fühlt. Es sind die gleichen Wähler, aus der sich die Tea-Party-Bewegung speist: verunsicherte und von der Globalisierung überforderte Bürger, die sich nach den guten alten Tagen zurücksehnen und Sündenböcke für ihre eigene Misere suchen. Trump erschliesst dieses von der Partei lange gehätschelte Potenzial besser als seine Mitbewerber und hat deshalb Erfolg.

Die Partei müsse ihn «fair behandeln», fordert der Spitzenreiter vor der ersten Fernsehdebatte am 6. August. Andernfalls steht unausgesprochen die Drohung im Raum, als unabhängiger Bewerber anzutreten. Das brächte ihn zwar nicht ins Weisse Haus, garantierte aber einen Sieg Hillary Clintons.

Schaden befürchtet

Dank der Weigerung der Republikaner, strikte Gesetze zur Wahlkampffinanzierung zu beschliessen, kann Trump ausgeben, so viel er will. Deshalb kann ihn die Partei weg wünschen, aber nicht ignorieren: Geld spricht – egal was für dumme Sachen. Und dies fügt der konservativen Marke in dem vom Trump-Tower heraus posaunten Wortschwall schweren Schaden zu. Das Monster droht nun, seine Schöpfer zu zerstören.