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Südlich von Berlin kämpfen zwei Gemeinden gegen eine Wildschweinplage

Jetzt sollen die Tiere nach alter Art erledigt werden. Mit Pfeil und Bogen.
Christoph Reichmuth, Berlin

Hannelore Heinrich sitzt der Schrecken noch tief in den Knochen. Die 67-Jährige war gerade in ihrem Friseursalon, als plötzlich Kundschaft mit borstiger Frisur in ihr Geschäft hineintrampelte. Eine offenbar verwirrte Wildsau. Das blutende Tier in Heinrichs Salon warf Stühle um und hinterliess ein Chaos.

Die Anekdote aus der südlich von Berlin gelegenen Gemeinde Stahnsdorf trug sich erst gerade in diesem Februar zu und zeigt, dass die Wildschweine längst die Scheu vor den Menschen verloren haben. Davon zeugen auch zwei spektakuläre Videos aus der Nachbargemeinde Kleinmachnow. Eine Rotte von 25 Wildschweinen galoppiert vor wenigen Wochen mitten am Tag durch die Vorgärten der 20000 Einwohner zählenden Ortschaft.

Nun hat der parteilose Bürgermeister von Stahnsdorf genug von den borstigen Wildtieren, die aus den umliegenden Wäldern in seine Gemeinde kommen – angelockt durch Kompost und Abfälle, welche die Menschen in ihren Gärten liegen lassen. Albers will den Tieren mit Pfeil und Bogen zu Leibe rücken. Denn Jäger warnen vor dem Gebrauch von Schusswaffen im Ortsinneren. Querschläger könnten auch Menschen in Gefahr bringen. «Insbesondere das Abprallverhalten ist völlig ungeklärt, gerade in Siedlungen mit Bordsteinen, Asphalt und Zäunen», sagt auch der deutsche Jagdverband.

Albers zählt 60 bis 70 Wildschweine pro Jahr in Stahnsdorf. Auf ihrer Suche nach Nahrung zerpflügen die Wildschweine Vorgärten und können auch für Menschen gefährlich werden. «Bundesweit wären wir die Ersten», sagt der Bürgermeister zu seiner unkonventionellen Idee, die Tiere mit Pfeil und Bogen aus dem Dorf zu treiben.

Archaische Jagd ist verboten

Das Ganze hat einen Haken: In Deutschland ist die Jagd mit Pfeil und Bogen verboten – da die Jäger die tödliche Wirkung des Pfeils als nicht sicher genug eingestuft haben und die Tiere nicht leiden sollten. Albers lässt sich davon nicht beirren. Er hat beim Brandenburger Landwirtschaftsministerium eine Ausnahmeerlaubnis für die Jagd mit Pfeil und Bogen beantragt. Ob Stahnsdorf die Erlaubnis erteilt wird, ist offen.

Die Idee des Bürgermeisters stösst in Fachkreisen auf Sympathien. An einer Konferenz zum Thema Wildschweine in Kleinmachnow haben sich Wissenschafter der Jagdbehörde grundsätzlich hinter Albers Vorschlag gestellt: «Die obere Jagdbehörde steht der Jagd mit Pfeil und Bogen sehr aufgeschlossen gegenüber», sagte der für Stahnsdorf und Kleinmachnow zuständige Jagdpächter Peter Hemmerden gegenüber dem Berliner «Tagesspiegel». Derzeit prüft das Landwirtschaftsministerium, ob die Bogenjagd mit den deutschen Tierschutzrichtlinien vereinbar ist. Darüber hinaus sollen auch die Bewohner der beiden Gemeinden in die Pflicht genommen werden. Wer die Wildschweine mit Speiseresten füttert und in die Gemeinde lockt, soll mit einer saftigen Busse zur Räson gebracht werden. Ausserdem rät die Gemeinde ihren Bewohnern, ihre Grundstücke einzuzäunen.

Friseurmeisterin Hannelore Heinrich hofft, dass sich die Behörden bald auf einen Weg gegen die Wildschweinplage einigen können. Ginge es nach ihr, wäre resolutes Vorgehen der Jäger angebracht, von Pfeil und Bogen im Kampf gegen Wildschweine hält sie nichts: «Mit gezielten Schüsse müsste dem ein Ende gemacht werden.» Heinrich hat damals im Februar übrigens intuitiv richtig gehandelt. Als die Wildsau in ihrem Salon stand, hat sie aus Angst nicht nervös mit Gegenständen herumgefuchtelt und das Tier in die Enge getrieben. Sie hat vor Schreck das Tier schlicht laut angebrüllt. Worauf das Wildschwein das Weite suchte.

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