Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Warum Kapstädter mit dem Pfefferspray zu Berg gehen

Hunderttausende Touristen zieht es jedes Jahr auf den Tafelberg. Trotzdem hat Kapstadts Wahrzeichen ein gewaltiges Imageproblem: Wöchentlich kommt es zu Raubüberfällen. Nun bewaffnen sich die Wanderer.
Markus Schönherr, Kapstadt
Zwei Frauen wandern auf dem Hoerikwaggo-Trail auf dem Tafelberg in Südafrika. (Bild: Alamy)

Zwei Frauen wandern auf dem Hoerikwaggo-Trail auf dem Tafelberg in Südafrika. (Bild: Alamy)

Sonnencreme, Landkarte, Trinkflasche – und nicht zu vergessen: Pfefferspray und Elektroschocker. Glaubt man lokalen Medienberichten, haben einige Kapstädter ihre Wanderausrüstung jetzt um Selbstverteidigungswaffen erweitert, wenn sie den Weg zum Hochplateau des Tafelbergs bezwingen. Auslöser dafür ist eine Reihe von brutalen Raubüberfällen in den vergangenen Wochen.

Wer die rund 1000 Höhenmeter auf das Felsmassiv mit der Seilbahn zurücklegt, dem liegt die Millionenmetropole Kapstadt zu Füssen mit grandiosem Ausblick auf den Atlantik und die Weinbauregion. Nicht umsonst ist der Tafelberg eines der sieben Weltnaturwunder. Wer sich aber für die dreistündige Wanderung auf das Flachdach entscheidet, der droht, eine weitere Zahl in Südafrikas Kriminalstatistik zu werden.

Zahl der Opfer hat sich mehr als verdreifacht

29 bewaffnete Raubüberfälle verzeichnete die Polizei seit Jahresbeginn im Tafelberg-Nationalpark. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal zwei. Laut der «Table Mountain Security Action Group», einem Bürgerkomitee, habe sich die Zahl der Angriffe im Park seit 2014 verdoppelt, die Zahl der Opfer mehr als verdreifacht. Grösste Sorge bereitet den Naturliebhabern allerdings etwas anderes: die zunehmende Brutalität, mit der die Kriminellen vorgehen. Mit Pistolen, Messern und Felsbrocken bewaffnet, sorgen die Diebe regelmässig für ausgeschlagene Zähne und gebrochene Knochen. Dieses Jahr musste ein Bergsteiger mit einer punktierten Lunge behandelt werden, einem weiteren wurde mit einem Stein der Kopf eingeschlagen. Nach Polizeiangaben gab es seit Jahresbeginn zwei Tote.

Angefacht wird das Problem von Südafrikas Armutsstatistik: Mehr als die Hälfte der 57 Millionen Bewohner gilt als mittellos, jeder vierte hat keinen Job. Darüber hinaus verzeichnet Südafrika den grössten Einkommensunterschied weltweit. Die Regierung hat das Armutsproblem seit dem Ende der Apartheid 1994 teilweise in den Griff bekommen, doch die Kriminalität so gut wie gar nicht.

«Die Sicherheit gebietet es einfach»

Andre van Schalkwyk, Vorsitzender der «Table Mountain Security Action Group», sagt gegenüber der Zeitung «Cape Argus»: «Das Problem wird nicht mit allen Mitteln angepackt. Alles bleibt an den Rangern hängen, und von denen gibt es einfach nicht genügend.»

Am Tafelberg zeichnet sich ein Bild ab, das in fast allen ­Nationalparks Südafrikas vorherrscht: Immer öfter übernehmen Wildhüter die Aufgabe von Polizei und Militär, etwa im Kampf gegen bewaffnete Wilderer oder gegen Diebe. Laut Boris Valdemar, Sprecher eines lokalen Wandervereins, sei die Zahl der Überfälle am Tafelberg bereits 2005 schlagartig gestiegen. Damals hätten Wandervereine das Problem durch gemeinsame ­Patrouillen an den Steilhängen bekämpft. «Einige unserer Mitglieder besteigen den Berg nur noch bewaffnet. Das wollten wir nicht, aber die Sicherheit gebietet es einfach», sagt Valdemar.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.