Mit Berlusconi gegen Neid, Hass – und Krebs

Eine Woche vor den Regionalwahlen attackiert Italiens Premier Berlusconi an einer Kundgebung Justiz und Opposition – und gibt ein neues Wahlversprechen.

Dominik Straub
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Rom. Die Grosskundgebung von Silvio Berlusconis Partei PDL vor der Lateranskirche San Giovanni stand unter dem Motto «Die Liebe siegt immer über den Hass und den Neid». Die Liebe, das ist natürlich er, Berlusconi. Der Hass und der Neid dagegen verkörpert «die Opposition, die unfähig ist, das Land zu regieren», und von den «politisierten Staatsanwälten», die ihn, Berlusconi, mit subversiven Mitteln stürzen wollten.

Den Krebs besiegen

Berlusconi, der die Regionalwahlen zu einem Plebiszit über seine Person stilisiert, forderte an der Kundgebung zwei Jahre nach seinem Sieg an den Parlamentswahlen ein «starkes Mandat» für die restlichen drei Jahre der Legislatur. Er versprach – nicht zum ersten Mal – eine «liberale Revolution», die Direktwahl des Staatspräsidenten sowie eine «grosse, grosse, grosse Justizreform». Und: In den drei Jahren werde die Regierung auch den Krebs besiegen, an dem jedes Jahr 250 000 Italienerinnen und Italiener sterben.

Die PDL hatte keine Mühen gescheut, um möglichst viele Anhänger des Cavaliere nach Rom zu bringen: 3000 Busse, mehrere Extrazüge und Charterflüge wurden organisiert, damit Berlusconi vor einer Kulisse aus mindestens einer halben Million Menschen sprechen konnte. Laut den Organisatoren waren es schliesslich «mehr als eine Million». Die Römer Polizeiführung schätzte die Teilnehmerzahl auf 150 000 – und wurde dafür von PDL-Fraktionschef Maurizio Gasparri gerüffelt.

PDL in Rom ausgeschlossen

Ob sich Berlusconi dank der Kundgebung aus seinem Umfragetief befreien kann, wird man in einer Woche sehen. Ein Ziel ist bereits verpasst: Am Tag der Kundgebung entschied der Staatsrat als achte und letzte Instanz, dass in der Provinz Rom die PDL-Liste definitiv nicht zu den Wahlen zugelassen wird. Sie war zu spät eingereicht worden. Mit der Kundgebung wollte Berlusconi nochmals Druck auf die Justiz ausüben, seine Liste teilnehmen zu lassen.

Das von überforderten PDL-Funktionären in Rom verursachte Listen-Chaos hatte – zusammen mit den Skandalen rund um Zivilschutzchef Bertolaso, der Wirtschaftskrise und dem von Berlusconi initiierten Verbot der Polit-Talkshows im Staatssender RAI – zu einem Absturz des Premiers geführt: Laut einer Umfrage im Auftrag der «Repubblica» beurteilten vier Wochen vor den Wahlen nur noch 44 Prozent der Befragten die Leistung des Premiers als positiv.

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