Miss Alternative Fakten tritt ab: Für Trump erfand Kellyanne Conway Terroranschläge und machte verbotene Mode-Werbung

Die 53-jährige Juristin aus New Jersey war eine der schillerndsten Figuren im Trump-Orbit – und eine der treuesten. Auch ihr Ehemann zieht sich überraschend aus der Politik zurück – aus vier Gründen.

Samuel Schumacher
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Ein bisschen schräg waren ihre Auftritte zuweilen: Doch Kellyanne Conway war eine brillante Rednerin.

Ein bisschen schräg waren ihre Auftritte zuweilen: Doch Kellyanne Conway war eine brillante Rednerin.

Keystone

Sie war eine von Donald Trumps treuesten Begleiterinnen: Gestern Nacht nun hat Kellyanne Conway bekanntgegeben, dass sie ihren Job als Beraterin des Präsidenten nächste Woche ablegen und sich vermehrt um ihre vier Kinder im Teenageralter kümmern wolle.

«Über meine Zukunftspläne werde ich später sprechen. Jetzt heisst es für mich und meine geliebten Kinder erst einmal weniger Drama, mehr Mama.»

Das teilte Conway ihren 3,3 Millionen Followern auf Twitter mit. Das Weisse Haus verlasse sie in tiefer Dankbarkeit für die Ehre, dem Präsidenten gedient haben zu dürfen, schrieb die 53-Jährige.

Conway war so etwas wie der Fels in der schäumenden Brandung von Donald Trumps Weissem Haus. Die Juristin aus New Jersey hatte sich als Wahlkampfmanagerin des späteren Präsidenten einen Namen als schnelldenkende und kompromisslos auftretende Strategin gemacht. Conway war die erste Frau in der US-Geschichte, die als Wahlkampfleiterin ihren Kandidaten ins Weisse Haus gehievt hat.

«Alternative Fakten» und erfundene Anschläge

Im Dezember 2016 bedankte sich Trump bei Conway, indem er sie zu seiner persönlichen Beraterin beförderte. Conway absolvierte in den Jahren danach unzählige Auftritte in TV-Shows und an Pressekonferenzen, an denen die drahtige, elegante Frau mit ihrer abgeklärten Art Journalisten fast zur Weissglut trieb. Weltweite Berühmtheit erlangte Conway im Januar 2017, als sie in der Fernsehsendung «Meet the Press» von MSNBC den Begriff «Alternative Fakten» («alternative facts») prägte.

Donald Trump behauptete kurz davor, dass deutlich mehr Menschen seiner Amtseinsetzung in Washington beigewohnt hätten, als vier Jahre zuvor bei Barack Obama. Als Conway mit Fotos konfrontiert wurde, die das genaue Gegenteil bewiesen, stritt sie ab, dass das Weisse Hause Unwahrheiten verbreite und bezeichnete die offiziellen Statements stattdessen – eben – als «Alternative Fakten».

Am Abend vor seiner Amtseinsetzung bat der zukünftige Präsident Donald Trump seine Wahlkampfleiterin zum Tanz.

Am Abend vor seiner Amtseinsetzung bat der zukünftige Präsident Donald Trump seine Wahlkampfleiterin zum Tanz.

Keystone

Einen Monat später erfand Conway in einem Interview mit MSNBC kurzerhand einen Terroranschlag, den es nie gegeben hatte. Den Entscheid Trumps, sieben mehrheitlich muslimische Länder auf eine schwarze Reiseliste zu setzen, rechtfertigte Trumps Beraterin mit Verweis auf das «Bowling-Green-Massaker» von 2011, das zwei muslimische Iraker auf amerikanischem Boden ausgeführt hätten. Ein solches Massaker hat es allerdings nie gegeben.

Schleichwerbung und ein «Ehemann aus der Hölle»

Kurz darauf machte Conway erneut negative Schlagzeilen, als sie auf dem Sender «Fox News» unverblümt Werbung für die Modeschöpfungen von Donald Trumps Tochter Ivanka machte: «Kaufen Sie Ivankas Zeug. Ich mache jetzt kostenlos Werbung», sagte Conway.

Mit solchen Auftritten ist jetzt vorerst Schluss. Interessanterweise hat gestern – fast zeitgleich mit seiner Gattin – auch Kellyannes Ehemann George Conway, 57, seinen Rückzug aus den politischen Sphären bekanntgegeben. George Conway engagierte sich zuvor für die Anti-Trump-Allianz «Lincoln Project», ein Zusammenschluss diverser republikanischer Interessengruppen, die sich mit spitzen Videobotschaften gegen eine zweite Amtszeit von Donald Trump einsetzen. Trump selber hatte George Conway in diesem Zusammenhang einst als «Ehemann aus der Hölle» bezeichnet.

Kellyanne Conway schrieb in einem Statement gestern:

«Mein Ehemann und ich sind uns in manchem nicht einig, aber wir bleiben Verbündete. Und am wichtigsten sind uns unsere Kinder.»

Für sie fange jetzt ein neues Schuljahr unter aussergewöhnlichen Umständen an. Das erfordere mehr Aufmerksamkeit und Wachsamkeit als sonst. Zeit, weiterhin alternative Fakten zu verbreiten, bleibt da offenbar keine mehr.