Millionen heimtückischer Bomben

In Laos findet ab heute die erste Umsetzungskonferenz zum Verbot von Streumunition statt. Gesucht ist jetzt Geld für die Räumung der tödlichen Altlasten und für die Opferhilfe.

Andreas Zumach
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Gefährliche Arbeit: Auf der Suche nach Streubomben im Süden Libanons. (Bild: ap/Hussein Malla)

Gefährliche Arbeit: Auf der Suche nach Streubomben im Süden Libanons. (Bild: ap/Hussein Malla)

genf. Nun geht es um die Umsetzung des Verbots von Streubomben und -munition. Im August war die entsprechende Oslo-Konvention in Kraft getreten. In der laotischen Hauptstadt Vientiane treffen heute Vertreter der bislang 108 Unterzeichnerstaaten zu einer ersten Konferenz zusammen. Bis Freitag soll ein «Aktionsplan» verabschiedet werden. Die internationale Koalition von Nichtregierungsorganisationen «Cluster Munition Coalition» (CMC) erwartet von dem Aktionsplan mehr Geld für die Räumung von Streubomben und -munition sowie verstärkte Hilfe für die verstümmelten Opfer dieser Waffen.

Laos besonders betroffen

Besonders angewiesen auf konkrete Zusagen für verstärkte Unterstützung sind die 23 Staaten, die derzeit noch durch liegen gebliebene Streumunition verseucht sind, und in denen es die meisten Opfer dieser heimtückischen Waffen gibt – an der Spitze Laos, Kambodscha, Vietnam, Libanon, Irak, Serbien und Afghanistan.

Die Nichtregierungsorganisationen sind sehr besorgt über die Absicht Deutschlands und anderer Staaten, ihre Ausgaben für die Umsetzung der Konvention zu kürzen statt zu stärken. François De Keersmaeker, Geschäftsführer von «Handicap International Deutschland», erklärte zum Auftakt der Konferenz in Laos: «Wir begrüssen es, dass Deutschland den Oslo-Vertrag ratifiziert und in den vergangenen Jahren regelmässig Mittel zur Minen- und Blindgängerräumung und auch zur Opferhilfe bereitgestellt hat.

Im Sparhaushalt für 2011 sollen diese Mittel reduziert werden. Das wäre ein fatales Signal für die betroffenen Länder.»

An der Konferenz in Vientiane werden laut Informationen aus Konferenzkreisen auch Vertreter des US-Aussenministeriums als Beobachter teilnehmen. Die USA haben – ebenso wie Russland, China, Indien, Pakistan und Israel – die Oslo-Konvention nicht unterzeichnet.

Vertreter von Hilfsorganisationen in der laotischen Hauptstadt schliessen aber nicht aus, dass die US-Vertreter an der Konferenz Gelder zusagen werden für die Räumung von Streumunition und die Rehabilitation von Opfern in Laos.

Der kleine von Vietnam, Kambodscha, Thailand und Burma eingeschlossene südostasiatische Staat ist das am heftigsten bombardierte Land der Erde und bis heute bei weitem am schlimmsten von Streumunition betroffen.

Während des Vietnam-Kriegs warf die US-Luftwaffe in den Jahren 1964–1973 nach Unterlagen des Pentagon die unvorstellbare Menge von mindestens zwei Millionen Tonnen Bomben auf Laos ab – darunter 1,38 Millionen Tonnen Streubomben sowie 0,7 Millionen Tonnen gewöhnliche Bomben mit Gewichten zwischen 500 und 4000 Pfund. Das entspricht dem doppelten Gewicht der Golden-Gate-Brücke oder von 14 Flugzeugträgern. Pro Kopf der damals vier Millionen Einwohner von Laos war das eine Bombenlast von einer halben Tonne.

In den am heftigsten bombardierten Regionen entlang des Ho-Chi-Minh-Pfades im Osten und Süden des Lands fielen pro Quadratkilometer rund zwölf Tonnen Bomben.

Getötet oder verstümmelt

Die Streubomben verteilten rund 270 Millionen Stück rund tennisballgrosse Streumunition («Bomblets» oder in Laos «Bombies» genannt) auf das Abwurfgebiet. Davon sind rund 90 Millionen bis heute nicht beseitigt und potenziell weiter gefährlich.

Die von der US-Luftwaffe am häufigsten eingesetzte Streubombe vom Typ CBU-26 enthielt 670 solcher Bomblets, von denen wiederum jede nach dem Aufprall und erfolgter Explosion 300 scharfe Metallsplitter verschoss.

Zwischen 1964 und 2008 wurden in Laos über 50 000 Fälle registriert, bei denen Menschen durch explodierende Streumunition getötet oder verstümmelt wurden. Hinzu kommt eine Dunkelziffer nicht gemeldeter und nicht registrierter Fälle.

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