Migration lässt sich kaum verhindern

Zur Sache

Remo Hess
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Wirtschaftsmigration aus Afrika ist eine Realität: Sie lässt sich weder abstellen, indem man die Grenzen dichtmacht, noch indem man den Kontinent mit europäischem Geld überschwemmt. Zwar macht es durchaus Sinn, zur Bekämpfung der Fluchtursachen in die Wirtschaftskraft der Herkunftsländer zu investieren. Aber: Migration geht nicht im Gleichschritt mit der Armut zurück. Im Gegenteil: Nigeria, welches eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen Afrikas aufweist, stellte mit rund 38000 Menschen 2016 die grösste Gruppe Ankommender in Italien.

Weil sich Migration kaum verhindern lässt, sollte man sie lieber in geordnete Bahnen lenken. Arbeitsvisa und Stipendien sind das, was afrikanische Staaten wirklich wollen. Wenn man deren Zusammenarbeit bei Rückführungsabkommen und im Kampf gegen das Schlepperwesen will, sollte man auch auf ihre Interessen eingehen. Ausserdem ist das sich entvölkernde Europa auf Arbeitskräfte angewiesen. Schon jetzt beschäftigt die süditalienische Landwirtschaft Tausende afrikanische Migranten. Nur, dass sich diese oft ohne jegliche Rechte verdingen – ganz zur Freude der kalabrischen Mafia. Wie hoch Migrations­kontingente ausfallen sollten, ist schwierig zu sagen. Vor vier Jahren kamen jedes Jahr knapp 10000 Nigerianer in Italien an. Dies könnte eine Diskussionsbasis sein. Das ist für Europa nicht viel. Zum Vergleich: Bereits jetzt erhalten jedes Jahr rund 400 000 Afrikaner eine Aufenthaltsbewilligung. Grenzschutz, Rückführungsabkommen und Wirtschaftshilfe sind sinnvolle Bestandteile der Migrationspolitik. Genauso sollten es aber auch legale Wege nach Europa sein. Migration aus Afrika wird es noch eine Weile geben – man sollte sie ernst nehmen. Seite 3