Mexikos Drogenkartelle werden immer krimineller

GUADALAJARA. Vor weniger als einem Monat klassifizierte die US-Regierung das Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) als eines der mächtigsten und reichsten Mexikos und setzte es auf die schwarze Liste.

Sandra Weiss
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GUADALAJARA. Vor weniger als einem Monat klassifizierte die US-Regierung das Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) als eines der mächtigsten und reichsten Mexikos und setzte es auf die schwarze Liste. Worauf Mexikos Sicherheitschef Monte Alejandro Rubido verkündete, in Kürze würden die Anführer festgenommen. Das war Anfang letzter Woche – und die Antwort folgte prompt. Am Freitag sah es in Mexikos zweitgrösster Stadt Guadalajara und den Bundesstaaten Jalisco, Colima, Guanajuato und Michoacán aus wie im Krieg: Das Kartell zündete Busse, Lastwagen, Läden, Tankstellen, Banken und Autos an, blockierte 30 Ausfallstrassen und schoss einen Militärhelikopter ab.

Eine der wichtigsten Waffen

Bei den Auseinandersetzungen kamen offiziellen Angaben zufolge sieben Menschen ums Leben, darunter drei Militärs und ein Polizist. 15 Menschen wurden verletzt. Gerüchte, wonach den Sicherheitskräften die Festnahme des Kartellchefs Nemesio Oseguera Cervantes alias «El Mencho» gelang, wurden zunächst nicht bestätigt.

Die Terrorstrategie ist seit rund fünf Jahren eine der wichtigsten Waffen der Kartelle im Drogenkrieg. Sie ist zum einen Racheakt oder Machtdemonstration, zum anderen behindert sie die Mobilisierung der Sicherheitskräfte, zum dritten ist sie ein Ablenkungsmanöver von anderen Aktionen der Kartelle, wie zum Beispiel der Flucht eines Drogenbosses, wie der Drogenexperte Alejandro Hope erklärt.

Kleiner und gewaltbereiter

Die Fronten wechseln ständig: Waren vor einigen Monaten noch die Bundesstaaten Michoacán und Guerrero heiss umkämpft, verlagert sich die Gewalt seit März nach Tamaulipas und Jalisco. Das hat mit der Zersplitterung der traditionellen Kartelle zu tun. Aus den Überresten entstehen neue Gruppen, die sich gegenseitig die lukrativsten Routen und Hochburgen streitig machen. Guadalajara, das Zentrum der jüngsten Auseinandersetzungen, ist einer dieser Knotenpunkte im Drogenhandel.

CJNG gehört zu den Aufsteigern der kriminellen Kartelle. Es ist zusammengesetzt aus Splittergruppen und Überresten älterer Kartelle. So war «El Mencho» früher ein Killer des allmächtigen Sinaloa-Kartells, das seit der Festnahme des Anführers Joaquín Guzmán vor zwei Jahren im Abstieg begriffen ist. Die neuen Gruppen sind kleiner und gewaltbereiter, da sie sich auf dem Markt erst etablieren müssen. Sie verfügen in der Regel über weniger logistische Kapazitäten als ihre Vorgänger und finanzieren sich neben dem Drogenhandel vor allem mit Schutzgelderpressungen, Benzinschmuggel und Entführungen.

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