Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Brasiliens umstrittener «Messias» verpasst Sieg nur knapp

Trotz sehr umstrittenen Aussagen hat der ultrarechte Jair Bolsonaro die Präsidentschaftswahl bereits im ersten Wahlgang fast für sich entschieden. Jetzt muss er in eine Stichwahl – mit ungewissem Ausgang.
Dominik Weingartner
Eine Unterstützerin von Jair Bolsonaro mit einer Puppe desselbigen in der Hand. (Bild: Dado Galdieri/Bloomberg, Rio de Janeiro, 7. Oktober 2018)

Eine Unterstützerin von Jair Bolsonaro mit einer Puppe desselbigen in der Hand. (Bild: Dado Galdieri/Bloomberg, Rio de Janeiro, 7. Oktober 2018)

Der erste Wahlgang der brasilianischen Präsidentschaftswahlen endete am Sonntag mit einem Ausrufezeichen. Der äusserst umstrittene ultrarechte Kandidat Jair Bolsonaro erzielte am Sonntag 46 Prozent der Stimmen. Sein Hauptkonkurrent, Fernando Haddad von der zwischen 2003 und 2016 regierenden Arbeiterpartei, kam nur auf 29,3 Prozent.

Die beiden werden bei der Stichwahl vom 28. Oktober den nächsten Präsidenten des grössten lateinamerikanischen Landes ausmachen. Auf dem dritten Platz landete mit 12,5 Prozent Ciro Gomes von der links­liberalen Demokratischen Arbeiterpartei. Alle anderen Kandi­daten blieben unter 5 Prozent.

Der Triumph von Bolsonaro wirft ein Schlaglicht auf die politische Krise, in der sich Brasilien seit mehreren Jahren befindet. Seit der Amtsenthebung von Ex-Präsidentin Dilma Rousseff, die zwischen 2011 und 2016 im Amt war, blieb kein Stein auf dem anderen.

Der langjährige Präsident Lula da Silva sitzt seit April nach einem umstrittenen Korruptionsprozess im Gefängnis. Die Arbeiterpartei, der lange zugutegehalten wurde, viele Brasilianer aus der Armut geholt zu haben, hat ihre Glaubwürdigkeit durch die Verstrickung in Korruptionsskandale verspielt und gilt bei vielen Brasilianern mittlerweile als unwählbar.

Suche nach einem Heilsbringer

Dass dennoch ein Mann wie Bolsonaro in der Lage ist, fast eine Mehrheit der brasilianischen Wählerinnen und Wähler hinter sich zu scharen, scheint aus europäischer Sicht mehr als fragwürdig. Der 63-jährige ehemalige Fallschirmjäger und Hauptmann der Reserve macht aus seinen überaus streitbaren Ansichten kein Geheimnis. Regelmässig beleidigt er Frauen, Homosexuelle oder ethnische Minderheiten wie Schwarze oder Indigene in seinem Land.

Auch pflegt er ein zweifelhaftes Verhältnis zum Militär, das Brasilien zwischen 1964 und 1985 diktatorisch regierte. Die damals gängigen Folterungen von Oppositionellen verteidigt Bolsonaro bis heute, sein Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, der General Hamilton Mourao, erklärte 2015, es sei die Aufgabe des Militärs, die Aufrechterhaltung der Rechtsordnung notfalls mittels einer militärischen Intervention zu sichern, sollte die Politik dazu nicht mehr in der Lage sein.

Das weckt ungute Erinnerungen an die in Brasilien bisher weitgehend unaufgearbeitete Zeit der Militärdiktatur. Noch immer wünschen sich viele Brasilianer die starke Hand eines Führers und Heilsbringers – gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Offenbar sehen viele Wähler Bolsonaro in dieser Rolle. Dieser hat Hitler auch schon als «grossen Strategen» bezeichnet und heisst mit zweitem Vornamen passenderweise Messias.

Wirtschaftskrise sorgt für Unzufriedenheit

Die wirtschaftliche Misere dürfte ein Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Brasilianer sein. Die Arbeitslosenquote stieg zwischen 2014 und 2017 von 6,8 auf 12,8 Prozent an. 2015 und 2016 brach das Bruttoinlandsprodukt dramatisch ein, von dieser Rezession hat sich die siebtgrösste Volkswirtschaft der Welt bisher noch nicht erholt. Für diese Entwicklung machen viele Brasilianer die lange regierende Arbeiterpartei verantwortlich. War Lula in seinen Anfängen noch ein Held der einfachen Arbeiter und der ärmeren Schichten, so gelten er und seine Partei heute vielerorts als Teil einer korrupten und sich selbst bereichernden Elite.

Trotz dieser Faktoren und dem Erfolg von Bolsonaro im ersten Wahlgang: Die Messe ist im Rennen um das Präsidentenamt noch nicht gelesen. Bolsonaro ging nach diesem Ergebnis zwar klar als Favorit in die Stichwahl. Sein Gegenkandidat Fernando Haddad steht deshalb vor der Herkulesaufgabe, die Wähler in den nächsten drei Wochen davon zu überzeugen, dass er der bessere Kandidat für das Präsidentenamt ist. Das scheint trotz der schwierigen Ausgangslage nicht unmöglich. Der ehemalige 55-jährige Bürgermeister der Grossstadt Sao Paulo gilt als moderater Vertreter der linken Arbeiterpartei. Und: Der drittplatzierte Ciro Gomes dürfte sich für die Wahl Haddads aussprechen.

Für Bolsonaro ist bereits klar: Sollte er nicht gewinnen, dann nur aufgrund von Wahlfälschung. Nicht nur durch diese Aussage erinnert Bolsonaro an US-Präsident Donald Trump. In seiner Heimat nennt man ihn deswegen bereits den «Trump Brasiliens».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.