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Zwei Amokläufe innerhalb von 24 Stunden in den USA +++ 29 Todesopfer und mehrere Verletzte +++ Hinweise auf Hassverbrechen

Zwei Tatorte, nur wenige Stunden lagen zwischen einem Blutbad und dem nächsten: In den USA sind zahlreiche Menschen Todesschützen zum Opfer gefallen. In einem Fall ermittelt die Polizei nicht nur wegen Mordes - es gibt Hinweise auf ein Hassverbrechen.
In einem Einkaufszentrum in El Paso wurden mehrere Menschen getötet. (Bild: Keystone/AP)

In einem Einkaufszentrum in El Paso wurden mehrere Menschen getötet. (Bild: Keystone/AP)

Was ist passiert?

  • Bei einem Amoklauf in einem Einkaufszentrum in der texanischen Stadt El Paso wurden mehrere Personen getötet. Der Schütze eröffnete das Feuer um etwa 10 Uhr Ortszeit. Die Polizei riegelte daraufhin mit einem Grossaufgebot das gesamte Areal ab und warnte die Leute auf Twitter davor, sich zu nähern.
  • Aktuellen Berichten zufolge sollen in El Paso mindestens 20 Personen getötet worden sein, 26 weitere wurden laut dem Polizeichef verletzt.
  • Nur wenige Stunden später sind bei einer Bar in Dayton im US-Bundesstaat Ohio mehrere Personen niedergeschossen worden. Die Behörden bestätigen neun Tote und 27 Verletzte. Der mutmassliche Schütze gehört ebenfalls zu den Todesopfern.

(sda/dpa) Bewaffnete Angreifer haben innert 24 Stunden an zwei verschiedenen Orten in den USA 29 Menschen erschossen. In einem Einkaufszentrum in der Grenzstadt El Paso in Texas tötete ein Schütze am Samstag mindestens 20 Menschen, 26 weitere wurden verletzt, wie Polizeichef Greg Allen mitteilte. Der mutmassliche Täter ergab sich.

In der Nacht zum Sonntag fielen in der Stadt Dayton im US-Bundesstaat Ohio Schüsse nahe einer Bar im Zentrum: Neun Menschen starben, 27 weitere wurden nach jüngsten Angaben der Behörden verletzt. Polizisten töteten den Angreifer. Die Massaker lösten international Bestürzung aus.

Womöglich Hassverbrechen

Bei dem Schützen in El Paso an der Grenze zu Mexiko handelt es sich um einen 21-jährigen Weissen. Polizeichef Allen sagte, es gebe ein «Manifest», das womöglich auf ein Hassverbrechen schliessen lasse.

Es sei allerdings noch nicht bestätigt, ob die Kampfschrift tatsächlich von dem Verdächtigen stamme. In dem Pamphlet, das dem mutmasslichen Täter von El Paso zugeschrieben wurde, heisst es unter anderem: «Dieser Angriff ist eine Antwort auf die hispanische Invasion in Texas.»

Bei einem Schusswaffenangriff im texanischen El Paso sind am Samstag (Ortszeit) mindestens 20 Menschen getötet und zahlreiche weitere Personen verletzt worden. (Bild: KEYSTONE/AP The El Paso Times/MARK LAMBIE)

Bei einem Schusswaffenangriff im texanischen El Paso sind am Samstag (Ortszeit) mindestens 20 Menschen getötet und zahlreiche weitere Personen verletzt worden. (Bild: KEYSTONE/AP The El Paso Times/MARK LAMBIE)

Einzeltäter

Zu den Motiven des Schützen in Dayton (rund 140'000 Einwohner) sowie dessen Identität konnte die Polizei zunächst nichts sagen. Es habe sich um einen Einzeltäter gehandelt. Der Mann habe mit einer Langwaffe geschossen, sagte der leitende Polizeibeamte Matt Carper.

Die Bürgermeisterin von Dayton: Nan Whaley. (Bild: AP Photo/John Minchillo, 4. August 2019)

Die Bürgermeisterin von Dayton: Nan Whaley. (Bild: AP Photo/John Minchillo, 4. August 2019)

Nach Angaben von Bürgermeisterin Nan Whaley trug der Täter dunkle, schusssichere Schutzkleidung. Er habe eine Waffe mit vielen zusätzlichen Patronenmagazinen benutzt. Es sehe danach aus, dass er alleine gehandelt habe, sagte Whaley.

Der Polizist Carper erklärte, das schnelle Eingreifen der Polizei habe Schlimmeres verhindert. «Wir hatten Beamte in der unmittelbaren Umgebung, als die Schüsse fielen. Wir konnten reagieren und das Ganze schnell beenden.» Oregon District, das Ausgehviertel in Dayton, wo die Schüsse fielen, gelte eigentlich als sicher.

Der Autor des Pamphlets von El Paso äussert in dem vierseitigen Text seine Unterstützung für den rassistischen Attentäter von Christchurch, der Mitte März in Neuseeland zwei Moscheen angegriffen und 51 Menschen getötet hatte. Die «New York Times» berichtete, der Text sei 19 Minuten vor dem ersten Notruf in El Paso online gegangen.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, kündigte bei einer Pressekonferenz an, die Strafverfolgung werde sich nicht nur auf den Vorwurf des Mordes, sondern auch auf den eines Hassverbrechens konzentrieren.

Die Ermittler stufen das Blutbad unterdessen als inländischen Terrorismus ein. Die Staatsanwaltschaft von El Paso kündigte an, die Todesstrafe für den Schützen zu fordern.

Mexikaner unter den Opfern

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador teilte in einer Videobotschaft mit, unter den Toten seien drei Mexikaner. Nach Angaben des mexikanischen Aussenministeriums wurden sechs weitere Mexikaner verletzt, darunter ein zehnjähriges Mädchen. Ein Polizeisprecher sagte nach Angaben des Senders CNN, der mutmassliche Todesschütze rede mit den Ermittlern.

Polizeichef Allen sagte, der erste Notruf sei um 10.39 Uhr Ortszeit (18.39 Uhr MESZ) eingegangen. Sechs Minuten später sei die Polizei vor Ort gewesen. Der Szenerie am Tatort sei «schrecklich» gewesen. Ein Polizeisprecher sagte, die meisten Opfer seien in einem Walmart in dem Ladenkomplex von Schüssen getroffen worden.

Der Supermarkt sei zum Zeitpunkt des Angriffs voll gewesen. Der Sprecher schätzte, dass sich dort zwischen 1000 und 3000 Menschen aufhielten. Der Schütze habe bei der Tat ein Gewehr benutzt.

El Pasos Bürgermeister Dee Margo sagte, der Verdächtige stamme nicht von dort. Nach US-Medienberichten kam er aus der Stadt Allen nördlich von Dallas, rund 930 Kilometer Luftlinie von El Paso entfernt. El Paso liegt unmittelbar an der Grenze zu Mexiko und hat rund 680'000 Einwohner.

Der Sender CNN berichtete, Familien hätten in dem Walmart-Ladenkomplex für den bevorstehenden Beginn des neuen Schuljahres eingekauft.

Aufruf zu Blutspenden

Die Polizei rief die Menschen in El Paso auf, Blut zu spenden. Gouverneur Abbott sagte bei einer Pressekonferenz am Samstagabend in El Paso, es hätten sich Schlangen von Menschen gebildet, die Blut spenden wollten. Er sprach von einer «abscheulichen» Gewalttat.

US-Präsident Donald Trump nannte die «hasserfüllte Tat» tragisch und einen «Akt der Feigheit». Es gebe keine Rechtfertigung dafür, unschuldige Menschen zu töten, schrieb er auf Twitter. Trump sagte dem Gouverneur von Texas die volle Unterstützung der Regierung in Washington zu.

Kritiker werfen Trump vor, mit seinen Äusserungen Rassismus zu befeuern. Zuletzt sah er sich wegen persönlicher Angriffe auf einen schwarzen Abgeordneten der Demokraten Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Regelmässig greift der republikanische Präsident auch Migranten aus Lateinamerika an, die auf illegalem Wege in die USA kommen wollen.

In den USA kommt es immer wieder vor, dass in Einkaufszentren, an anderen öffentlichen Orten oder auch in Schulen Menschen durch Schüsse getötet werden. Bemühungen für schärfere Waffengesetze laufen seit Jahren ins Leere - vor allem, weil Trumps Republikaner dagegen sind. Die mächtige Waffenlobbyorganisation NRA bekämpft vehement jeden Versuch, Waffenbesitz stärker zu regulieren. Auch Trump ist dezidiert gegen eine Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitz, das in der US-Verfassung verankert ist.

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Täter von Dayton erschossen: Polizei veröffentlicht Überwachungsvideo

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