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MAZEDONIEN-STREIT: Skopje und Athen suchen Annäherung

In einem zwei Jahrzehnte alten Konflikt scheint endlich ein Durchbruch in Sicht.
Gerd Höhler, Athen

Mangelnde Ausdauer kann man Matthew Nimetz nicht vorwerfen. Seit fast 25 Jahren versucht der Ex-US-Diplomat im Auftrag der UNO in einem Streit zu vermitteln, der für die Öffentlichkeit ausserhalb der Balkanregion nur schwer zu verstehen ist. Dafür beschäftigt er die internationale Diplomatie umso mehr. Denn die Kontroverse um den Namen der früheren jugoslawischen Teil­republik Mazedonien hat eine weit über die Region hinausgehende geopolitische Dimension.

Nimetz ist mittlerweile 78 Jahre alt, und endlich wähnt er sich bei seiner Mission nah am Ziel: Die Regierungen in Skopje und Athen scheinen endlich bereit, den Konflikt beizulegen.

Mazedonien hat lange Zeit griechische Ängste geschürt

Der Streit begann 1991, als sich die Teilrepublik aus dem zerfallenden Jugoslawien löste und ihre Unabhängigkeit ausrief – unter dem Namen Republik Mazedonien. Das löste in Athen heftigen Widerspruch aus. Die Griechen sahen darin Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien und deren kulturelles Erbe. Die Nachbarn im Norden schürten diese Ängste. Mazedonische Ultranationalisten brachten Landkarten in Umlauf, auf denen sie grosse Teile Griechenlands einem künftigen Gross­mazedonien einverleibten.

1993 stimmte Athen zwar der Aufnahme des Nachbarlandes unter dem Namen «frühere jugoslawische Republik Mazedonien» (Fyrom) in die UNO zu, aber nur als Übergangslösung. Seit 2005 blockiert Athen die Aufnahme des Nachbarn in die Nato sowie den EU-Beitritt. Mit der Ablösung des nationalkonservativen Regierungschefs Nikola Gruevski durch den Sozialdemokraten Zoran Zaev im vergangenen Mai kam Bewegung in den Konflikt.

«Der Streit muss 2018 gelöst werden»

Vermittler Nimetz drängt: Der Streit «kann und muss 2018 gelöst werden». Noch im Januar oder im Februar will Nimetz eine Verhandlungsrunde in New York ansetzen, von der er sich einen Durchbruch erhofft. Der griechische Premier Alexis Tsipras steht in der Namensfrage unter grossem Druck der Nato-Partner: Im Juni soll Mazedonien in die Allianz aufgenommen werden. Voraussetzung dafür ist eine Bei­legung des Namensstreits. Die Frage entzweit allerdings die Athener Koalition. Tsipras’ rechtspopulistischer Partner Panos Kammenos will keinem Namen zustimmen, der das Wort Mazedonien enthält. Tsipras wird also im Parlament auf Unterstützung aus den Reihen der Opposition angewiesen sein.

Ob man sich nun auf Neu-, Ober- oder Nordmazedonien als neuen Staatsnamen einigen wird: International hat sich längst Mazedonien eingebürgert, auch wenn das Land in der UNO und der EU auf Druck der Griechen offiziell als Fyrom firmiert. Die Griechen sprechen von den Nachbarn, etwas herablassend, als «Skopianer». Daran wird sich wohl auch nach einer Lösung des Streits nichts ändern.

Gerd Höhler, Athen

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