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Massenmörder kaufte Waffen via Internet: Neuseeland will die Gesetze verschärfen

Die Regierung will innert zehn Tagen ihre Waffengesetze verschärfen. Das hat Premierministerin Jacinda Ardern nach dem Angriff auf zwei Moscheen angekündigt.
Urs Wälterlin, Sydney
Premierministerin Jacinda Ardern während einer Pressekonferenz. (Wellington, 18. März 2019)

Premierministerin Jacinda Ardern während einer Pressekonferenz. (Wellington, 18. März 2019)

In einer ersten Sitzung hat sich das Regierungskabinett bereits grundsätzlich auf eine Änderung der Waffengesetze verständigt. Dies erklärte Premierministerin Jacinda Ardern am Montag. Die Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet werden. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird der Besitz von halbautomatischen Waffen verboten oder stark eingeschränkt, wie dies im Nachbarland Australien seit 20 Jahren der Fall ist. Solche Gewehre erlauben einem Schützen, innert kurzer Zeit eine hohe Zahl von Geschossen abzufeuern. In Neuseeland kann jeder über 16 Jahre alte Bürger nach einer einfachen Prüfung Waffen erwerben.

Inzwischen wurde bekannt, dass Brenton Tarrant, der mutmassliche Mörder von 50 Menschen in Christchurch, seine Waffen legal über das Internet in einem neuseeländischen Laden gekauft hatte – mit Hilfe eines Waffenerwerbscheins.

Laut David Tipple, dem Besitzer des Waffenladens «Gun City», wurde der Versand über ein von der Polizei geprüftes System abgewickelt.

Tarrant, ein 28-jähriger Fitnesstrainer aus der australischen Kleinstadt Grafton, scheint die Angriffe auf zwei Moscheen alleine durchgeführt zu haben, so Polizeichef Mike Bush am Montag. Drei weitere am Freitag verhaftete Personen stünden nicht in Verbindung mit den Verbrechen. Bush wollte jedoch noch nicht ganz ausschliessen, dass Tarrant doch Komplizen hatte. Über 200 Beamte arbeiteten an den Ermittlungen, unter ihnen Polizisten in Australien und Agenten des amerikanischen FBI. Die australische Polizei stürmte am Montag zwei Gebäude, die offenbar von Familienangehörigen des Verdächtigen bewohnt werden.

Attentäter will sich ohne Anwalt verteidigen

Der Australier hat inzwischen seinen vom Staat zur Verfügung gestellten Pflichtverteidiger entlassen. Tarrant wolle sich vor Gericht selbst verteidigen, so ein Bericht in der Zeitung «New Zealand Herald». Sein Ex-Anwalt Richard Peters meinte, der Australier «schien zu verstehen, was los ist», als er ihn nach der Tat am Freitag konsultiert habe. Der Anwalt will keine Anzeichen für eine geistige Beeinträchtigung oder Krankheit festgestellt haben. ­Experten fürchten, dass der Beschuldigte einen öffentlichen Prozess nutzen könnte, um seine rechtsextreme Ideologie zu verbreiten.

Tarrant hatte am Freitag kurz vor der Tat eine 74-seitige Hetzschrift an eine Reihe von Empfängern versandt, unter anderen auch an Premierministerin Jacinda Ardern. Zudem hatte er die Bluttat mit einer Helmkamera gefilmt und live im Internet verbreitet. Ein 18-jähriger Neuseeländer, dem vorgeworfen wird, das Video geteilt zu haben, musste sich am Montag vor dem Untersuchungsrichter in Christchurch verantworten. Ein Antrag auf Kaution wurde abgelehnt, da der Mann «Aufrufe zu extremer Gewalt» publiziert habe, so der Richter. Er soll ein Foto einer der angegriffenen Moscheen ins Netz gestellt haben mit der Bemerkung «Ziel erfasst». Der Mann sei aber an der Bluttat vom Freitag nicht beteiligt gewesen.

Das Verbrechen von Christchurch hat unter Kommentatoren in Neuseeland und Australien Kritik an der Arbeit von Polizei und Geheimdiensten aufkommen lassen. So wurde die Befürchtung geäussert, die Behörden hätten sich in den letzten Jahren primär auf die Suche nach potenziellen Terroristen mit islamischem Hintergrund konzen­triert und dabei die Gefahr aus rechtsextremen Kreisen vernachlässigt. Experten in Australien meinten, die meisten rechtsex­tremen Kriminellen arbeiteten als sogenannte «einsame Wölfe» – Einzeltäter, die ohne formale Unterstützung einschlägiger Gruppen Taten planten und ausführten. Sie radikalisierten sich in der Regel selbst in einschlägigen Chat-Foren im Internet.

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