Massaker trotz versprochener Reform Syriens

Trotz seines Versprechens, den Ausnahmezustand aufzuheben, haben Milizen des syrischen Präsidenten Assad laut Menschenrechtsgruppen in der Nacht auf gestern erneut ein Massaker verübt.

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In der Stadt Homs sollen mindestens 30 Demonstranten getötet worden sein. Zu dem Massaker kam es anscheinend nach dem Tod eines Stammesführers, der heftige Proteste ausgelöst hatte. Damaskus versuchte das brutale Vorgehen damit zu rechtfertigen, dass «kriminelle Elemente» versucht hätten ein Denkmal von Hafez al-Assad zu zerstören. Der vor elf Jahren verstorbene Vater des amtierenden Präsidenten hatte 1982 in der Region eine Revolte der Moslembruderschaft niedergeschlagen. Bis zu 10 000 Menschen kamen damals ums Leben.

Ruf nach Assads Sturz

Nach dem Massaker in Homs gingen gestern über 20 000 Menschen auf die Strassen, um die Toten der Nacht zu Grabe zu tragen. Nach arabischen Fernsehberichten forderten sie den Sturz von Bashar al-Assad. Diese Botschaft werde man «in die letzte Gasse Syriens tragen», skandierte die Menge. Ein Korrespondent von «Al Jazira» erklärte, mit jedem Toten werde der Ruf nach einem Machtwechsel lauter. In Damaskus warnten hingegen westliche Diplomaten davor, die Entschlossenheit des Regimes bei der Bekämpfung von der Revolte zu unterschätzen.

US-Geld für syrische Opposition

Die «Washington Post» publizierte unterdessen aus dem Wikileaks-Material eine Depesche des US-Aussenministeriums. Danach soll Washington in den zurückliegenden fünf Jahren etwa sechs Millionen Dollar an die Gegner des syrischen Präsidenten überwiesen haben. Nutzniesser sei vor allem der aus London sendende Oppositions-Sender «Barada TV», gewesen. Präsident Assad hatte erst am Wochenende von einer Verschwörung gegen sein Regime gesprochen.

Michael Wrase, Limassol