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Maserati statt Impfstoff
für Papua-Neuguinea

Im Pazifikstaat Papua-Neuguinea wächst die Empörung über die extravaganten Vorbereitungen der Regierung auf eine internationale Konferenz. Gleichzeitig greift China dem bitterarmen Land mit der Lieferung kostenloser Feuerwehrautos unter die Arme – nicht ganz uneigennützig allerdings.
Urs Wälterlin, Canberra
Luxuskarossen aus Italien: In diesen Maserati sollen während des Apec-Gipfels hochrangige Gäste chauffiert werden. (Bild: Handout AirBridgeCargo/EPA (11. Oktober 2018))

Luxuskarossen aus Italien: In diesen Maserati sollen während des Apec-Gipfels hochrangige Gäste chauffiert werden. (Bild: Handout AirBridgeCargo/EPA (11. Oktober 2018))

In Papua-Neuguinea wächst der Unmut über den Kauf von 40 Maserati Quattro­porte durch die Regierung im Vorfeld des Gipfeltreffens der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft Apec. Hochrangige Gäste sind zur Spitzenkonferenz im November eingeladen, unter ihnen der US-amerikanische Vizepräsident Mike Pence und Chinas Präsident Xi Jinping. Die Delegierten sollen stilvoll durch die Hauptstadt Port Moresby reisen. 40 brandneue Luxusfahrzeuge hat die Regierung aus Italien einfliegen lassen in zwei speziell dafür gecharterten Jumbojets.

Bis zu 240 000 Franken kostet ein Quattroporte. Kritiker verschärften am Wochenende ihren Unmut und sprachen von einer Verschleuderung öffentlicher Gelder. Denn Papua-Neuguinea gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Die in Melanesien gelegene Nation hat eine der höchsten Raten an häuslicher Gewalt und Vergewaltigungen. Im isolierten Hochland der Hauptinsel kommt es noch heute gelegentlich zu Hexenverbrennungen. Es fehlt an allem: Schulen, Strassen, Kommunikationsmitteln. Und vor allem an qualitativ guter medizinischer Versorgung. HIV/Aids ist in einigen Regionen endemisch.

Strassen in sehr schlechtem Zustand

Die Regierung ist in Krisensituationen rasch überfordert. Sie musste im Juni den Notstand ausrufen, weil sie einer Kinderlähmungsepidemie nicht Herr wurde. Der Nachbar Australien musste Millionen Dollar zuschiessen, damit Spitäler Impfstoff kaufen konnten.

«Ich weiss nicht, wo ich beginnen soll», wettert die Twitter-Autorin Tannah gegen den Maserati-Kauf durch die Regierung. «Es ist absurd, unsere Leute haben es besser verdient.» Der Kommentator Keith Jackson meinte gegenüber australischen Medien, der Autokauf sei eine «totale Perversion» der melanesischen Gastfreundschaft durch «egogetroffene» Politiker. Viele Kritiker beklagten zudem, dass die Strassen in Teilen des Landes in einem so schlechten Zustand sind, dass Orte von der Umwelt abgeschnitten sind. Hingegen seien sie in der Hauptstadt im Vorfeld der Konferenz mit hohem Aufwand repariert worden.

Der für die Konferenz zuständige Minister, Justin Tkatschenko, weist jede Kritik von sich. Der Privatsektor werde für die Luxusautos bezahlen, versicherte er. Die Fahrzeuge würden nach der Konferenz weiterverkauft.

China spekuliert auf Rohstoffe im Land

Wenig Freude haben die Länder, die Papua-Neuguinea mit Hilfsgeldern unterstützen. Allen voran der Nachbar Australien. 100 Millionen Franken pumpt Canberra in die Konferenz – Hunderte weitere Millionen fliessen pro Jahr als Entwicklungsgelder nach Port Moresby. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International steht Papua-Neuguinea unter 180 Ländern auf Platz 135, die Schweiz auf Platz 5. Selbst höchste Regierungsvertreter stehen gelegentlich wegen des Vorwurfs der Selbstbereicherung in den Schlagzeilen.

Papua-Neuguinea wird nach der Apec-Konferenz nicht nur eine neue Flotte von Luxusfahrzeugen haben, sondern auch Dutzende Rettungswagen. So hat etwa China 9 Feuerwehrautos gespendet. Ohne Selbstzweck ist die Grosszügigkeit allerdings nicht: Papua-Neuguinea ist der bedeutendste Empfänger der seit Jahren laufenden Geschenk- und Kreditvergabe Chinas unter den ärmeren Ländern im Pazifik. Im Gegenzug erwartet China nicht nur die Unterstützung ihrer Politik, allem voran im Zusammenhang mit den umstrittenen Inseln im Südchinesischen Meer. Peking erhofft sich vor allem einen erleichterten Zugang zu den enormen Rohstoffvorkommen, die im Boden von Papua-Neuguinea schlummern.

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