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Marokko versenkt Flüchtlingsboot

Eine Flüchtlingstragödie vor der nordafrikanischen Küste wirft ein grelles Licht auf die brutalen Praktiken, mit denen Marokkos Sicherheitsbehörden die Flüchtlingsfahrten übers Mittelmeer Richtung Südeuropa stoppen.
Ralph Schulze/Madrid

Nach Berichten von Flüchtlingen hat die marokkanische Marine ein Schlauchboot mit etwa 70 schwarzafrikanischen Flüchtlingen buchstäblich versenkt. Bis zu 36 Menschen seien vor der Küste der Provinz Al Hoceima ertrunken, berichten marokkanische Menschenrechtsgruppen. Auch vier Kinder sollen tot sein.

Seitenwand aufgeschlitzt

Nach Informationen der spanischen Zeitung «El País» entdeckte die marokkanische Küstenwacht, die auf Druck der EU sehr viel schärfere Kontrollen durchführt als früher, das motorisierte Schlauchboot im Morgengrauen. Zunächst hätten die Marinesoldaten die Seitenwand des Gummiboots mit einem Messerstich geritzt und gerufen: «Jetzt könnt ihr weiterfahren bis nach Spanien.»

Als das langsam mit Wasser voll laufende Flüchtlingsboot weiterfuhr, habe einer der marokkanischen Offiziere die Bordwand mit vier Messerstichen vollends aufgeschlitzt. Das Boot sei danach sofort gesunken.

Etwa die Hälfte der schwarzafrikanischen Flüchtlinge, von denen die meisten erfahrungsgemäss nicht schwimmen können, sei dann von den Marokkanern aus dem Wasser gezogen worden, heisst es in marokkanischen und spanischen Berichten übereinstimmend. Doch viele Menschen seien wie Steine ins Wasser gesunken und ertrunken.

Die Berichte fügen sich zu einer Meldung der staatlichen marokkanischen Presseagentur Map, die unter Berufung auf Marokkos Innenministerium von zehn Toten berichtet. Map berichtet über einen zeitgleichen Zwischenfall vor der Küste Al Hoceimas, bei dem sogar drei Migrantenboote «gekentert» seien. Insgesamt seien 183 Menschen gerettet worden.

Hartes Vorgehen

Seit die EU Marokkos Regierung drängte, entschlossener gegen jene afrikanischen Flüchtlinge vorzugehen, die von dem nordafrikanischen Land aus Kurs auf Spanien nehmen, geraten die marokkanischen Sicherheitsbehörden immer wieder durch brutales Vorgehen in die Schlagzeilen. Vor drei Jahren erschossen marokkanische Grenzer mehrere Flüchtlinge, welche den Grenzzaun der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla stürmen wollten.

Regelmässig berichten Menschenrechtler auch über Festnahmen afrikanischer Flüchtlingsgruppen, die dann ins wüstenartige Niemandsland zwischen Marokko und Algerien deportiert und dort ihrem Schicksal überlassen werden. Im Zuge dieser Deportationen gebe es Misshandlungen und Tote.

Die EU belohnt derweil Marokkos Grenzschutz-Kooperation mit millionenschwerer Hilfe: Ein Aktionsplan für die Jahre 2007–2010 sieht Finanzhilfen und Kredite in Höhe von 654 Millionen Euro vor.

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