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MARIA RESSA: Vor ihr hat Duterte Angst

Die philippinische Regierung lässt nichts unversucht, die Webseite der regimekritischen Journalistin abzuschalten.

Der philippinischePräsident Rodrigo Duterte hat ein Palastverbot für kritische Reporter verhängt. Er instruierte seinen Pressesprecher, den Journalisten von der Nachrichtenseite «Rappler» mitzuteilen, dass sie ab sofort im Präsidentenpalast Malacañang Hausverbot hätten. «Er sagt, dass ihr nicht mehr drinnen erlaubt seid. Das war’s. Nicht nur heute», simste der Mann an die zuständige Redaktorin.

«Rappler» hat den Vorgang minutiös dokumentiert. Er kommt einem Ritterschlag gleich. Die News-Seite ist das wohl wichtigste Duterte-kritische Medium auf den Philippinen. Der «Rappler» berichtet über den blutigen Drogenkrieg des Präsidenten, deckt Korruptionsskandale auf und enthüllt, wie die Regierung Fake News nutzt, um sich die Loyalität des Wahlvolks zu sichern. Der furchtlose Journalismus der «Rappler»-Truppe hat dem Onlinedienst im Ranking der beliebtesten Webseiten der Philippinen Platz zehn eingebracht und ihm 3,5 Millionen Facebook-Fans beschert.

Dass «Rappler» zum Stachel im Fleisch des Präsidenten wurde, ist vor allem Maria Ressa zu verdanken. Zwanzig Jahre lang berichtete die Princeton-Absolventin als CNN-Korrespondentin aus Asien. Dass sie keine Angst davor hat, sich mit gefährlichen Männern anzulegen, bewies sie damals schon: Ihre Interviews mit Al-Kaida-Schergen sind legendär, ihre Reportagen aus Terrorcamps mit Preisen überhäuft worden. 2012 beschloss Ressa gemeinsam mit einigen Kollegen, dass ihr Heimatland ein investigatives Medium brauche, das den Mächtigen auf die Finger klopft: Der «Rappler» war geboren und wurde schnell zu einer Institution.

Maria Ressa zahlt für diesen Erfolg einen hohen Preis. Nachdem «Rappler» kurz nach Amtsantritt von Duterte 2016 beschrieb, wie dessen Gefolgsleute mit Hilfe von Trolls auf sozialen Medien Propaganda betreiben, sorgten eben jene Trolls dafür, dass eine Flutwelle von Hass Ressa überspülte. Sie habe bis zu 90 Drohungen pro Stunde erhalten, sagte die heute 54-Jährige im philippinischen Fernsehen.

Ressa liess sich nicht einschüchtern. Nun versuchen ihre Gegner, sie mit legalen Tricks mundtot zu machen. Mitte Januar wurde dem «Rappler» von der Börsenaufsicht die Lizenz entzogen, weil das Portal von ausländischen Besitzern gesteuert werde. Ressa legte sofort Einspruch ein. Internationale Presse- und Menschenrechtsorganisationen sprechen von einem politisch motivierten Schauprozess.

Nachrichtenmanipulatoren haben auf den Philippinen leichtes Spiel: Daten­pakete für mobiles Internet sind wesentlich teurer als anderswo in Asien. Die Ausnahme ist Facebook: Durch einen Deal mit Telekomanbietern können die Angebote des Konzerns genutzt werden, ohne dass Datenkosten anfallen. Das Ergebnis: Statt für teures Geld Nachrichtenseiten anzusurfen, halten sich viele der 103 Millionen Filipinos per Facebook auf dem Laufenden und sind so besonders anfällig für gezielt platzierte Propaganda. «Demokratie, wie wir sie kannten, ist tot», sagt Maria Ressa.

Uli Putz

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