Corona
Mallorca und Mykonos werden zu Pandemie-Beschleunigern

Positiv Getestete bleiben im Hotelzimmer eingesperrt. Doch damit ist die Gefahr einer neuen Welle nicht gebannt.

Ralph Schulze, Madrid und Gerd Höhler, Athen
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Gefangen auf Mallorca: ein Isolierter im Hotel Palma Bellver.

Gefangen auf Mallorca: ein Isolierter im Hotel Palma Bellver.

Bild: EPA

Statt Feriengrüsse von sonnigen Stränden erreichen die Daheimgebliebenen in diesen Tagen besorgniserregende Meldungen aus den Inselparadiesen Mallorca und Mykonos. Die beiden beliebten Ferienziele entwickeln sich zu pandemischen Hotspots, in denen die hochansteckende Deltamutante grassiert.

Die Mallorca-Ferien enden für immer mehr Reisefreudige mit einem Zwangsaufenthalt im Quarantänehotel «Palma Bellver». Das passiert etwa dann, wenn der obligatorische Test vor dem Rückflug in die Heimat positiv ausfällt. Inzwischen befinden sich mehr als 200 Menschen in der staatlich finanzierten Isolation. Weil sich immer mehr Touristen auf der Ferieninsel anstecken, wollen die Behörden nun sogar ein zweites Quarantäne-Hotel anmieten. Wer hier landet, fühlt sich oftmals, so berichten es Betroffene, «wie in einem Gefängnis»: Die Bewohner werden in ihren Räumen eingesperrt.

Die Fälle auf Mykonos haben sich in einer Woche versiebenfacht

Nicht besser sah die Lage auf der Nachbarinsel Ibiza aus, wo sich im Quarantänehotel «La Noria» 87 Menschen befanden – überwiegend Urlauber. Auf Mallorca wie auf Ibiza zeigt die Kurve der Neuansteckungen steil nach oben. Deutschland bezeichnet die Balearen seit 11. Juli als Risikogebiet.

Auch die griechische Insel Mykonos ist inzwischen ein Corona-Hotspot: Zwischen dem 7. und 16. Juli hat sich die Zahl der positiven Tests fast versiebenfacht. Aktuell zeigt jeder zehnte Test ein positives Ergebnis. Die Quarantäne-Unterkünfte, in denen positiv getestete Personen für 14 Tage isoliert werden, seien bereits überfüllt, berichtet die Chefin des Gesundheitsdienstes auf der Insel.

Drohnen überwachen Partygänger auf Mykonos

Übertragen wird das Virus laut Fachleuten vor allem bei den Strandpartys und in den Nachtlokalen. Gesundheitsexperten kritisieren, dass viele Beschäftigte in den Bars nicht geimpft sind. Dicht an dicht in der Disco, Hautnah in der Beach-Bar: So ging es auf der Partyinsel zu. Corona war kein Thema.

Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Angesichts der explodierenden Infektionszahlen haben die griechischen Behörden am Wochenende strikte Beschränkungen über die Insel verhängt: Von 1 Uhr bis 6 Uhr gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Restaurants, Bars und Discos dürfen keine Musik mehr spielen. Beschäftigte in der Gastronomie müssen sich zwei Mal pro Woche testen lassen. Bei Verstössen drohen den Gastwirten Geldstrafen von bis zu 200'000 Euro. Die Massnahmen gelten zunächst bis zum 26. Juli. Die Polizei beobachtet die Einhaltung der Verbote mit Streifengängen und 15 Drohnen sowie 40 Überwachungskameras, die im Hauptort der Insel installiert worden sind.