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Malaysia: Greis will Premier werden

Der 92-jährige Ex-Premierminister Mahathir Mohamad tritt nochmals zur Wahl an – und hat Chancen zu gewinnen.

Die Meldung wirkte auf Aussenstehende befremdlich: Der ehemalige Ministerpräsident Malaysias, Mahathir Mohamad, werde im stolzen Alter von 92 Jahren bei den bis August abzuhaltenden Parlamentswahlen noch einmal als Kandidat für das Amt des Premierministers antreten, hiess es am 7. Januar in Kuala Lumpur. Man habe grosse Hoffnungen, dass Mahathir, der tatsächlich noch sehr rüstig wirkt, ihr Bündnis«Pakatan Harapan» zum Sieg führen werde, verkündeten Malaysias Oppositionsparteien. Sollte sich das bewahrheiten, wäre der Greis der älteste Regierungschef der Welt.

Dass Mahathir durchaus Chancen hat, sich noch einmal die Macht zu sichern, liegt daran, dass er auf seine alten Tage die Seiten gewechselt hat. Mahathir war bereits von 1981 bis 2003 Regierungschef, damals an der Spitze von Malaysias grösster Partei, der United Malays National Organisation (Unmo). Alle bisherigen Premiers wurden von der Unmo gestellt, so auch der seit 2009 regierende Najib Razak. Doch Mahathir hat sich von Najib und damit auch von der Unmo abgewandt: Wie viele Malaysier ist er der Ansicht, dass Najib, der in einen riesigen Korruptionsskandal verwickelt ist, nicht länger Regierungschef bleiben sollte. Najib ist tief in den sogenannten 1MDB-Skandal verstrickt. Aus dem gleichnamigen Staatsfonds sind unter Najibs Leitung mehr als 4 Milliarden US-Dollar verschwunden. Auch Schweizer Banken sind in die Machenschaften – es geht um Geldwäsche und Korruption – involviert.

Um eine weitere Amtszeit Najibs zu verhindern, hat Mahathir sich auch mit einem alten Feind versöhnt: Anwar Ibrahim war ursprünglich Mahathirs politischer Ziehsohn gewesen, fungierte lange als sein Vizepremier und galt als sicherer Nachfolger. Doch 1998 verstiess Mahathir seinen Protégé und versuchte, mit Anklagen wegen angeblicher Homosexualität und Sodomie dessen Karriere zu zerstören. Derzeit sitzt Anwar, der immer noch als unangefochtener Führer der Opposition gilt, deshalb eine zweite Gefängnisstrafe ab. Mahathir und Anwar hätten sich zum Wohle des Landes ausgesöhnt, heisst es in Kuala Lumpur. Der Plan sei, Mahathir die Wahlen gewinnen zu lassen, sodass dieser eine königliche Amnestie für Anwar erwirken könne. Einmal aus der Haft entlassen, könne der 70-Jährige dann vom 92-Jährigen das Ruder übernehmen.

Während der Jahrzehnte, in denen Mahathir Malaysias Politik dominierte, erlebte das Land einen bemerkenswerten Wirtschaftsboom. Doch der gelernte Kinderarzt regierte mit sehr harter Hand. Die Opposition hielt er klein, gegen die grassierende Korruption unternahm er wenig. Mit seinem Rassismus hielt er nie hinterm Berg: Gezielt fördert er Malaysias muslimische Identität, was zur Diskriminierung der chinesischen und der indischen Minderheit geführt hat. Das Wahlvolk scheint Mahathir seine Vergangenheit jedoch nicht allzu übel zu nehmen. Eine Umfrage der Nachrichtenwebseite «Malaysian Insight» ergab, dass die meisten Befragten glauben, dass das Alter den siebenfachen Vater milde gestimmt haben dürfte.

Ulrike Putz, Singapur

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