Magische Atmosphäre überdeckt Probleme

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Die Leichtathletik-WM in London war ein Volksfest. Daran konnten auch die Terroranschläge, die das Land zuletzt erschüttert hatten, nichts ändern – im Gegenteil. In den vergangenen Tagen verfolgten viele Familien das Spektakel im Stadion. Auch der Olympiapark war stets gut besucht. Von Nervosität oder einem erhöhten Sicherheitsaufgebot war dabei nichts zu spüren. Das zeigen auch die Besucherzahlen. Insgesamt verfolgten über eine Million Zuschauer die Wettkämpfe im Stadion sowie am Rande der Marathonstrecke. Das sind so viele wie noch nie in der Geschichte des Grossanlasses.

Das grosse Interesse an der WM lag vor allem daran, dass die Briten ein sportbegeistertes Volk sind. Dies zeigte sich bereits während den Olympischen Sommerspielen in London vor fünf Jahren. Daraus einen Aufschwung der Leichtathletik abzuleiten, ist aber übertrieben. Zu gross sind die Probleme dieser Sportart. Dazu gehören längst nicht nur die Dopingskandale oder die Kontroverse über zu hohe Testosteronwerte bei intersexuellen Athletinnen wie Caster Semenya. Der Sportart fehlen auch die schillernden Figuren – vor allem jetzt, nach dem Abgang von Sprintstar Usain Bolt und Langstreckenläufer Mo Farah. In vielen Disziplinen siegten in den vergangenen Tagen Athleten, an deren Namen sich bereits jetzt kaum mehr einer erinnert.

Hinzu kommt: Das Programm an Grossanlässen ist zu dicht, zu unübersichtlich und zum Teil auch zu unattraktiv. So gibt es Sessions, in denen keine interessanten Entscheidungen fallen. Doch in London war das egal. Die Zuschauer füllten das Stadion auch am Morgen und sorgten stets für eine magische Atmosphäre. In zwei Jahren jedoch findet die WM in Doha, Katar, statt. Dann wird das Bild wieder das gewohnte sein, mit einem oft halb leeren Stadion wie 2013 in Moskau. Seite 32