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Prozess gegen U-Boot-Mörder abgebrochen

Bei der Neubeurteilung des brutalen U-Boot-Mordes ist ein Richter in Ohnmacht gefallen. Die Anklage will weiterhin die Höchststrafe für den Tüftler Peter Madsen. Sie glaubt, er habe seine Taten gefilmt.
Niels Anner, Kopenhagen
Ein Sanitätswagen verlässt das Gerichtsgebäude am Tag des Prozesses gegen U-Boot-Mörder Peter Madsen. (Bild: Tariq Mikkel Khan/Epa (Kopenhagen, 14. September 2018))

Ein Sanitätswagen verlässt das Gerichtsgebäude am Tag des Prozesses gegen U-Boot-Mörder Peter Madsen. (Bild: Tariq Mikkel Khan/Epa (Kopenhagen, 14. September 2018))

Gestern sollte das Landesgericht in Kopenhagen in zweiter Instanz den aufsehenerregenden U-Boot-Fall beurteilen. Dabei ging es nicht mehr um die Schuldfrage, sondern um das Strafmass. Der U-Boot-Bauer Peter Madsen ­hatte gegen die lebenslängliche Gefängnisstrafe, zu der er im ­April wegen der Ermordung der Journalistin Kim Wall verurteilt worden war, appelliert.

Doch der erneute Prozess ­endete dramatisch: Während des Plädoyers des Staatsanwaltes verlor plötzlich ein Laienrichter das Bewusstsein. Laut Gerichtsreportern leistete unter anderen Kim Walls Vater Erste Hilfe; Madsen reagierte sichtlich entsetzt. Eine Ambulanz brachte den Richter ins Spital, wo dieser das Bewusstsein wieder erlangte; er ist ausser Lebensgefahr. Der Prozess wurde abgebrochen; wann er fort­gesetzt wird, ist offen.

Verurteilter hat «keine Energie mehr»

Peter Madsen verneint nach wie vor, im August 2017 Kim Wall in seinem U-Boot misshandelt und ermordet zu haben; trotzdem wehrt sich der 47-Jährige nicht mehr gegen die Verurteilung. Laut seiner Anwältin hat er «keine Energie mehr», um die psychische Belastung eines Prozesses mit Beweisführung durchzustehen. Das Gericht hatte es als ­erwiesen angesehen, dass der Angeklagte die 30 Jahre alte Schwedin mit einem sexuellem Motiv folterte, tötete und zerstückelt über Bord warf. In zweiter Instanz geht es nun darum, ob ­«lebenslänglich» eine zu harte Strafe ist. Madsens Verteidigerin argumentiert, ein einzelner Mord werde üblicherweise milder bestraft. Für das Bezirksgericht war aber die Brutalität der Tat ausschlaggebend.

Die grausigen Details des Falles waren deshalb auch Gegenstand des Berufungsprozesses. Dort wurden alle Protokolle des Prozesses im April vorgelesen. Gegen Madsen, der aussagte, es habe sich ein Unfall ereignet, sprachen Indizien wie Hinweise auf eine Fesselung oder die Stichwunden im Unterleib, die Wall laut Rechtsmedizinern zugefügt wurden, als sie noch lebte.

Der Tüftler wurde von der Anklage als unglaubwürdiger, perverser Sadist geschildert. Gestern ging Staatsanwalt Kristian Kirk noch weiter: Madsen habe das ungeheuerliche Verbrechen detailliert geplant. Zudem sei er sich «ganz sicher», so Kirk, dass der 47-Jährige die Tat gefilmt habe. Beweise dafür gibt es nicht. In der im U-Boot gefundenen ­Kamera war keine Speicherkarte. Aber Kirk verwies darauf, dass der Tüftler sich früher beim Sex gefilmt und brutale Sexvideos konsumiert habe.

Dubiose Beziehung mit Gefängniswärterin

Während des Prozesses suchte eine kurzhaarige Frau immer wieder intensiven Augenkontakt zu Madsen, lächelte ihm zu. Sie hat den Tüftler laut dänischen Medien bis vor kurzem im Gefängnis bewacht. Ende August hatte sie jedoch gekündigt. Der Grund: Zwischen der Gefängniswärterin und dem als manipulativen Frauenheld geschilderten Madsen hatte sich eine enge ­Beziehung entwickelt. Dies gab die nicht namentlich genannte Frau in einem Interview zu: «Ich weiss nicht, ob wir verliebt sind. Aber wir können enorm gut ­reden.» Dabei denke sie nicht ­daran, wofür er verurteilt sei.

Sie habe viel Zeit an seiner offenen Zellentür verbracht, es habe jedoch nie physischen Kontakt gegeben. «Aber es wurde zu freundschaftlich», sagte die Mutter zweier Kinder, deshalb habe sie gekündigt – ohne den Grund zu nennen. Dieser wurde erst klar, als ihre Kollegen bei Madsen eine Menge Briefe von ihr fanden. Jetzt darf sie den Tüftler nicht mehr besuchen, sagt aber: «Es kann schon sein, dass sich etwas zwischen uns entwickelt.»

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