Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Machtspiele am Polarkreis beginnen

Die Nato hat in Norwegen ihr grösstes Manöver seit dem Kalten Krieg begonnen. Offizielles Ziel ist die Simulation eines Angriffs auf ein Nato-Mitglied. Unfälle und Proteste begleiten den Start.
Niels Anner, Kopenhagen
Amerikanische und norwegische Soldaten warten auf ihren Einsatz.Bild: EPA (Setermoen, 25. Oktober 2018)

Amerikanische und norwegische Soldaten warten auf ihren Einsatz.
Bild: EPA (Setermoen, 25. Oktober 2018)

Truppen aus 31 Ländern unterstehen seit gestern in Norwegen dem US-Oberbefehlshaber James Foggo. 50000 Soldaten, 10000 Panzer und andere Fahrzeuge, 250 Kampfjets und Helikopter sowie 65 Schiffe nehmen an dem seit Jahrzehnten grössten Nato-Manöver teil; darunter der US-Flugzeugträger «USS Harry S. Truman», auf dessen Flottenverband sich 6000 Personen befinden. Während zweier Wochen kämpfen in Mittel- und Nordnorwegen in einem fiktiven Szenario «südliche Kräfte» gegen «nördliche Kräfte».

Ziel der Übung mit dem ­Namen «Trident Juncture» (Verbindungsstelle des Dreizacks) ist Abschreckung und eine Simulation eines Angriffs auf ein Nato-Mitglied: «Das Manöver wird die klare Botschaft aussenden, dass wir bereit sind, alle Bündnispartner gegen jegliche Gefahr zu verteidigen», erklärte der Nato-­Generalsekretär, der Norweger Jens Stoltenberg. Um glaubhaft abschrecken zu können, müsse man die Stärke der Nato zeigen. Geübt werden soll die Kooperation der Truppen, der Einsatz von Abwehrraketen sowie eine enorme Logistik. Seit Wochen werden Einheiten nach Norwegen verschifft oder gefahren.

Wahl des Übungsortes nicht ohne politische Brisanz

Hauptadressat der Botschaft ist Russland, das im September seinerseits mit einem Manöver an der chinesischen Grenze seine Position markiert hat. Dort ­waren gar 300000 Mann im Einsatz, darunter auch Truppen Chinas und der Mongolei. Dass die Nato in Norwegen übt, gibt dem Manöver eine besondere Brisanz: Das Land grenzt nicht nur zu Land an den geopolitischen Rivalen im Osten, sondern auch in den arktischen Gewässern.

Nato-Strategen befürchten, dass Russland mit seiner starken Aufrüstung in der Arktis – mit neuen Militäranlagen, U-Booten, Erdölförderung – die Schifffahrt im hohen Norden zunehmend kontrollieren könnte. In diesem Licht ist auch der Einsatz der «USS Harry S. Truman» mit 60 Flugzeugen an Bord zu sehen, dem ersten US-Flugzeugträger seit den 80er-Jahren nördlich des Polarkreises. Lange war die USA im Nordatlantik nicht präsent gewesen.

An «Trident Juncture» nehmen auch Truppen aus den beiden Nicht-Nato-Ländern Schweden und Finnland teil. Diese arbeiten eng mit dem Bündnis zusammen, lehnen aber einen Beitritt ab – nicht zuletzt, weil das Verhältnis zu Moskau politisch eine heikle Gratwanderung darstellt, insbesondere für Finnland, das eine 1300 Kilometer lange Grenze mit Russland teilt. Moskau hat denn auch schon mehrfach mit Konsequenzen gedroht, sollten es Finnland oder Schweden den baltischen Staaten gleichtun und der Nato beitreten.

Bereits zehn Unfälle mit Militärfahrzeugen

Das jetzige Manöver wird im Kreml kritisiert, weil es zur Destabilisierung beitrage. Sicherheitsexperten sehen aber eine pragmatische Haltung Moskaus. Man müsse Rhetorik und Praxis unterscheiden, sagte Jakub Godzimirski, Forscher am norwegischen Aussenpolitik-Institut. Wohl aber werde Russland seine Überwachungs- und Spionageaktivitäten in den nächsten beiden Wochen verstärken. Laut dem Verteidigungsministerium in Moskau soll just in diesen ­Tagen das grösste russische ­Amphibienschiff von der Ost- in die Barentssee fahren, vorbei an der Nato-Übung.

Auch linke Politiker in Deutschland und Norwegen glauben, das Manöver werde das Verhältnis zu Russland weiter trüben. In mehreren norwegischen Städten wurde dagegen demonstriert, den «Krieg als Show» zu zelebrieren. Andere Kritiker befürchten Probleme wegen Sperrungen von Strassen und Lufträumen sowie eine Gefährdung der Bevölkerung. Tatsächlich haben sich auf vereisten Strassen bereits zehn Unfälle mit Militärfahrzeugen ­ereignet; in einem Fall kam es zu einer Kollision mit einem Bus, bei dem dessen Chauffeur verletzt wurde. Das Thema ist heikel in Norwegen: Letztes Jahr wurde bei einer Nato-Übung ein Mann getötet, als ein Panzerwagen seinen Transporter rammte. Der Verkehrsexperte Frode Skjervö sagte, er hoffe, die Armee wechsle die Reifen: «Ohne Spikes zu fahren ist im Moment Risikosport.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.