Machtbewusstes Polittalent

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ÖVP-Chef Mit 16 wollte Sebastian Kurz in seinem Wiener Heimatbezirk Jugendchef der ÖVP werden; man riet ihm, erst einmal ein bisschen älter zu werden. Nur 14 Jahre später wurde er Chef und Kanzlerkandidat der Konservativen. Am Sonntag könnte der Sohn einer Lehrerin und eines Technikers jüngster Regierungschef Österreichs, ja ganz Europas werden. Kritiker fragen sich, wie dreist man sein muss, sich mit 31 Jahren die Verantwortung zuzutrauen, ein Land zu regieren. Er selbst fühlt sich trotz Abbruch seines Jurastudiums befähigt. Als Staatssekretär für Integration und Aussenminister habe er in den letzten sieben Jahren «unheimlich viel gelernt». Der eloquente junge Mann mit dem Charme eines strebsamen Maturanden gilt als grösstes politisches Talent seit Jahrzehnten. Doch das übersteigerte Machtbewusstsein irritiert. Ein Gerücht besagt, ein Machiavellist und väterlicher Berater habe es ihm eingeimpft: Wolfgang Schüssel. Der Ex-Kanzler habe ihm geraten, via Neuwahl direkt in das Kanzleramt zu marschieren. (rgw)