Lukaschenko beschuldigt die Opposition

Der Bombenanschlag in der Minsker Metro mit zwölf Toten ist laut dem weissrussischen Präsidenten Lukaschenko aufgeklärt. Zwei Verdächtige hätten Geständnisse abgelegt.

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Warschau. «Ich habe Resultate gefordert, hier sind sie», sagte der Autokrat Lukaschenko gestern im Staatsfernsehen ONT. Die Attentäter seien gefasst. «Wir wissen, wer sie sind und wie sie es gemacht haben», sagte er, «allerdings kennen wir ihr Motiv noch nicht.» Laut Vizestaatsanwalt Andrej Schwed hat der weissrussische KGB Videoaufnahmen von der Tat. Die beiden geständigen jungen Männer, zwei Weissrussen, würden nun auch nach Verbindungen mit dem nie geklärten Bombenanschlag auf ein Freiluftkonzert in Minsk 2008 überprüft.

Opposition soll verhört werden

Laut KGB-Chef Wadim Zajtsau muss als Motiv die Destabilisierung Weissrusslands, wohl durch radikale Oppositionsgruppen, vermutet werden. Nicht ausschliessen will er aber die Tat eines Psychopathen. Für Lukaschenko hingegen war die Lage gestern klar. Nun müsste die ganze Opposition verhört werden, befahl er in seiner Fernsehansprache. Auffallend seien auch die Versuche der Panikmache in den letzten Tagen sowie die Falschinformationen über weitere Bombenanschläge, sagte Lukaschenko.

Werk des Staatsapparats?

Mit der demokratischen Opposition sympathisierende Bürger bleiben bei ihrer Vermutung, der Terroranschlag sei das Werk von Lukaschenkos Staatsapparat. Gemäss einer Umfrage unter rund 600 Lesern der beliebten oppositionellen Internetzeitung «charter97.org» sehen 88 Prozent die Staatsmacht als Urheber an.

Paul Flückiger

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