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Iran-Sanktionen: Liebesgrüsse aus Montreux

US-Präsident Trump bekräftigt «brutale» Sanktionen gegen das Regime in Teheran, das propagandistische Schützenhilfe vom Aussenminister des vor 40 Jahren gestürzten Schahs von Persien erhält.
Der politische Druck der Amerikaner schweisst die iranische Gesellschaft zur Zeit mehr zusammen, als es Kritiker des Gottesstaates lieb sein kann. (Bild: Ali Mohammadi/Bloomberg; 9. Mai 2018)

Der politische Druck der Amerikaner schweisst die iranische Gesellschaft zur Zeit mehr zusammen, als es Kritiker des Gottesstaates lieb sein kann. (Bild: Ali Mohammadi/Bloomberg; 9. Mai 2018)

In der Welt des Donald Trump gibt es nur einfache Lösungen für komplizierte Probleme. Dies gilt für Nordkorea ebenso wie für den Iran, der freilich keine Milde erwarten kann. Die Islamische Republik, hatte der US-Präsident in Singapur gut gelaunt verkündet, müsse sich auf «brutale Sanktionen» einstellen. Danach «freut» sich der nach eigenen Angaben «beste Dealmaker» (aller Zeiten?) darauf, mit dem iranischen Regime ein neues, «überarbeitetes Atomabkommen» auszuhandeln. Sowohl mit Pjöngjang als auch mit Teheran strebt Trump eine atomare «Nulllösung» an.

Nordkorea soll dann von den USA «umfassende Sicherheits­garantien» erhalten. Das iranische Regime will man dagegen, wie einst Saddam Hussein, «zur Rechenschaft» ziehen, sprich stürzen. Darüber sind sich die Verantwortlichen im Iran sowie der grösste Teil der Bevölkerung längst im Klaren. Die Drohgebärden des Donald Trump haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Für einen US-Dollar mussten nach dem Singapur-Gipfel 70000 iranische Rial bezahlt werden, 5000 mehr als letzte Woche.

Die Angst vor einem neuen Krieg wächst

Da auch die meisten europäischen Grosskonzerne aus Furcht vor US-Sanktionen das Land verlassen, bereitet man sich auf die Umsetzung einer «Widerstandswirtschaft» vor, welche während des achtjährigen Krieges mit dem Irak das Überleben garantierte. An eine Rettung des Atomabkommens durch die Europäer glauben nur noch wenige. Seit zwei Wochen ist man dabei, die technischen Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Urananreicherung zu schaffen. Die weit verbreitete Angst vor einem neuen Krieg, der wachsende Druck der USA, sorgt nicht für Aufruhr, sondern scheint die iranische Gesellschaft zusammenzuschweissen.

«Der Iran ist ein Land mit einer 3000 Jahre alten Geschichte und territorialer Kontinuität. Mit einer Bevölkerung von 82 Millionen ist der Iran nicht der Irak und wird einem Angriff ­widerstehen können», schrieb dieser Tage der in Montreux ­lebende Iraner Ardeshir Zahedi in einem Kommentar, der als bezahlte Anzeige in der «New York Times» veröffentlicht wurde.

Zahedi war der letzte Botschafter des Schahs in Washington. Der 89-jährige Ex-Diplomat, der seinem Land auch als Aussenminister diente, gilt als Architekt der nach dem Sieg der Islamischen Revolution vor fast 40 Jahren abgebrochenen iranisch-amerikanischen Beziehungen. Dass sich Zahedi ausgerechnet jetzt zu Wort meldet, es für nötig hält, die amerikanische Konfrontationsstrategie gegenüber dem Iran in Bauch und Bogen zu verurteilen, ist kein Zufall. Schliesslich geht es um mehr als nur das Regime in Teheran, für das der alte Mann «keinerlei Sympathien» hegt. Es gehe um das Heimatland, persisch «Mihan», um den Iran. In seinem Kommentar wirft Zahedi der Trump-Administration «tollkühnes Wunschdenken» vor. Besonders hart ins Gericht geht er mit dem amerikanischen Aussenminister Mike Pompeo, der Ende April in einer Grundsatzrede erstmals offen zu einem Umsturz in Teheran aufgerufen hatte. Wer nach den entsetzlichen Erfahrungen im Irak jetzt die gleichen Fehler im Iran wiederholen wolle, müsse sich fragen, ob «sein Gehirn noch richtig funktioniere», betont Zahedi verärgert.

Für das verunsicherte Regime in Teheran ist die Kritik des letzten Schah-Botschafters in Washington natürlich eine propagandistische Steilvorlage. Ob ­radikal oder gemässigt, fast alle iranischen Tageszeitungen und Fernsehsender haben den Kommentar des «Patrioten» Ardeshir Zahedi in voller Länge veröffentlicht. In der Stunde der Gefahr, so die Botschaft, habe der alte Mann seinen Platz in der iranischen ­Gesellschaft wiedergefunden.

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