LIBANON: Premier tritt aus Todesangst zurück

Regierungschef Saad Hariri ist in den letzten Tagen offenbar einem Anschlag entgangen.

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Sein Vater starb bei einem der schwersten Bombenanschläge im Libanon. Der libanesische Ministerpräsident Saad Hariri (47) fürchtet das gleiche Schicksal – und hat nun am Samstag in einer Fernsehansprache überraschend seinen Rücktritt verkündet. Das politische Klima im Land sei ähnlich wie vor der Ermordung seines Vaters. «Ich spüre, dass eine Verschwörung läuft, die auf mein Leben abzielt.»

Der arabische Fernsehsender Al-Arabija berichtete am Samstag unter Berufung auf ungenannte Quellen, dass der Regierungschef in den vergangenen Tagen bereits einem Anschlag in Beirut entgangen sei.

Hariri ging in der Fernseh­ansprache mit dem Iran und dessen Verbündeten, die libanesische Hisbollah, hart ins Gericht. Sie wollten das Land unter ihre Kontrolle bringen. Der Iran habe das Schicksal der Staaten der Region in der Hand und die Hisbollah sei ihr verlängerter Arm, sagte Hariri in seiner in Saudi- Arabien gehaltenen und von Al-­Arabija ausgestrahlten Rücktrittsrede.

Hisbollah hat mehr Waffen als libanesische Armee

In jüngster Zeit habe die Hisbollah «mit der Kraft ihrer Waffen Tatsachen geschaffen». Das Waffenarsenal der Hisbollah, die den syrischen Staatschef Baschar al-Assad unterstützt, ist mittlerweile umfangreicher als das der libanesischen Armee.

Hariris Vater und 22 weitere Menschen waren im Februar 2005 bei einem Bomben­anschlag auf den Konvoi des ehemaligen Regierungschefs in der libanesischen Hauptstadt Beirut getötet worden. Der Mord erschütterte und destabilisierte das Land. Die Opposition machte Syrien für den Anschlag verantwortlich. (sda)