«Letzte Ruhe an heiligem Ort»

Polens Präsidentenpaar Kaczynski auf der Krakauer Königsburg Wawel beigesetzt. Weniger Polen als erwartet an der Trauerfeier. Obama, Sarkozy und Merkel sagten ihre Teilnahme wegen Sperrung des Luftraums nach Vulkanausbruch ab.

Paul Flückiger
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Letztes Geleit für den Bruder: Jaroslaw Kaczynski trifft in der Krakauer Basilika zur Totenmesse für den tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski und seine Frau Maria ein. (Bild: epa/Radek Pietruszka)

Letztes Geleit für den Bruder: Jaroslaw Kaczynski trifft in der Krakauer Basilika zur Totenmesse für den tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski und seine Frau Maria ein. (Bild: epa/Radek Pietruszka)

Warschau. «Der Präsident und seine Ehefrau kommen in der heiligen polnischen Nekropole zur Ruhe – alle auf den Wawel», forderte die polnische Boulevardzeitung «Fakt» in grossen Lettern. In Krakau fanden sich zu den Begräbnisfeiern dann allerdings wie bereits am Samstag in Warschau weit weniger Polen als erwartet ein.

Dämpfer für Präsidentenpartei

Laut Polizeiangaben säumten am Sonntag 150 000 Besucher den Konvoi der beiden Särge oder nahmen an den für das Ehepaar Kaczynski gehaltenen Begräbnismessen teil.

Vorbereitet hatte sich die Stadt auf eine Million Besucher, die in Sonderzügen und -bussen aus dem ganzen Land anreisen sollten. Vor allem den Strategen der Kaczynski-Partei «Recht und Gerechtigkeit» wird dies zu denken geben – hatten sie doch bereits vergangene Woche den vom Tod Lech Kaczynskis stark gezeichneten Zwillingsbruder Jaroslaw zu einer Kandidatur für die vorgezogenen Präsidentschaftswahlen gedrängt. Dieser hat den Ruf seiner Partei allerdings noch nicht beantwortet.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht folgte er dem feierlichen Gottesdienst in der Krakauer Marienkirche. Etwas gefasster neben ihm stand Kaczynskis Tochter Marta. Die Präsidentenmutter Jadwiga liegt in Warschau im Spital und ahnt dem Vernehmen nach von allem noch nichts. Jaroslaw Kaczynski hatte die ganze Woche über gewartet, ihr die schreckliche Nachricht zu überbringen. Die Familie fürchtet um das Leben der betagten Frau.

Entschuldigung für Katyn

Abwesend waren in Krakau aber auch die Präsidenten Barack Obama und Nicolas Sarkozy sowie Kanzlerin Angela Merkel. Zusammen mit etwa weiteren 30 Regierungsdelegationen hatten sie ihre Teilnahme wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans kurzfristig absagen müssen.

Der georgische Präsident Michail Saakaschwili, ein enger Freund Lech Kaczynskis, erschien erst nach einer erzwungenen Zwischenlandung in Rom.

Viele Staatsgäste aus dem Osten schafften jedoch die Landung in Krakau rechtzeitig – darunter der russische Präsident Dmitri Medwedew.

In Katyn bei Smolensk hatte er Kaczynski vor Wochenfrist partout nicht treffen wollen, vor ein paar Tagen allerdings gestand ausgerechnet Medwedew gegenüber den Polen ein, dass Stalin für das dortige Massaker an der polnischen Elite vor 70 Jahren schuld sei.

Auf diesen ersten Schritt zu einer russischen Entschuldigung hatte Warschau 20 Jahre lang vergeblich gewartet. Denn in Putins Russland wird der kommunistische Massenmörder Stalin erneut hochgehalten, gerade auch vor den Moskauer Feiern zum 65. Jahrestag des Kriegsendes Anfang Mai. Auch Lech Kaczynski sollte daran teilnehmen.

Nun wurde er gestern abend in der Königsgruft neben seinem Vorbild Jozef Pilsudski, dem Gründer des modernen polnischen Staates von 1918, beigesetzt.

Waren doch immer so volksnah

Weder Pilsudski noch Kaczynski hatten adeliges Blut. Das Präsidentenpaar sei doch immer so einfach und volksnah gewesen, vor allem Maria Kaczynska, wunderten sich viele Polen über die Wahl der letzten Ruhestätte.

«Lech und Maria würde es in der Königsgruft bestimmt nicht gefallen, die wollen auf einen normalen Friedhof zum Volk», sagte eine Passantin in der Schlange zum Kondolenzbuch beim Präsidentenpalast noch am Samstag.