LEITARTIKEL ZUR WELTKLIMAPOLITIK: Klimakiller Trump und die Sommerferien auf Kreta

Chefredaktor Stefan Schmid erklärt in seinem Kommentar, wieso das Leben als Europäer immer schöner wird und was für eine Rolle Donald Trump dabei spielt.

Stefan Schmid
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Von links bis erstaunlich weit rechts ist man sich einig: Donald Trump kann nichts. (Bild: SHAWN THEW (EPA))

Von links bis erstaunlich weit rechts ist man sich einig: Donald Trump kann nichts. (Bild: SHAWN THEW (EPA))

Das Leben als wohlerzogener, politisch korrekter Europäer wird immer schöner. Nichts macht das Dasein so leicht wie ein klares Feindbild. Donald Trump, dieser Ignorant, steigt nun sogar aus dem Klimaabkommen aus. Was für ein Dummkopf! Millionen Europäer wissen bald nicht mehr, mit welchen Verbalinjurien sie den US-Präsidenten noch zudecken könnten. Von links bis erstaunlich weit rechts ist man sich einig: Dieser Mann kann nichts. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mutiert dafür mit kalkulierten Anti-Trump-Showeinlagen innert Tagen zum neuen Politstar Europas, und Angela Merkel hat mit ihrem «Europa muss es schon selber richten»-Kurs ein wunderbares Wahlkampfthema gefunden. Wer ein so schönes Feindbild hat, ist frei von Schuld und Makel. Die besseren Menschen von Europa. Es gab selten so viel Anlass, sich diesem Glauben hinzugeben. Und selten war es so falsch.

Natürlich ist der Entscheid der USA– weltweit der zweitgrösste CO2-Emittent –, aus dem Klimaabkommen von Paris auszusteigen, eine schlechte Nachricht für unseren Planeten. Die Erderwärmung ist ein Fakt, und es braucht den Beitrag aller, um den von Menschenhand provozierten Klimawandel wenigstens in vernünftigen Grenzen zu halten.

Eine Katastrophe freilich ist der Alleingang der USA aber mitnichten. Zu weit gediehen sind mittlerweile die weltweiten Bemühungen, die Emission schädlicher Treibhausgase in den Griff zu bekommen. Ein Beispiel dafür ist China, das unter massiven Umweltverschmutzungen leidet. Im Reich der Mitte hat ein fundamentales Umdenken eingesetzt. Zusammen mit den Europäern zeichnet sich eine Allianz ab, die in der Klimapolitik vorangeht. Selbst in den USA wird die Trumpsche Obstruktion von progressiven Bundesstaaten und innovativen Unternehmen konterkariert. US-Stromproduzenten sind von Seiten mächtiger Investoren unter Druck, alte Kohlekraftwerke umzurüsten und auf erneuerbare Energien zu setzen. Bevölkerungsreiche Staaten wie Kalifornien (37 Millionen) oder New York (19 Millionen) verfolgen eigene klimapolitische Agenden. Experten gehen deshalb davon aus, dass Trumps Entscheidung nichts daran ändern wird, dass auch in Amerika mittelfristig die Emissionen weiter sinken.

Was im Trubel um Klima-BanauseTrump ebenso vergessen geht: Das Pariser Abkommen basiert weitgehend auf Freiwilligkeit. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich einzig dazu, die Treibhausgase zu reduzieren. Wie viel, bleibt jedem selber überlassen. Macht ein Staat nur wenig, ist das nicht einklagbar. Was «Paris» in der Realität wert ist, wird sich erst noch zeigen müssen.

Der entscheidende Webfehler des Klimaabkommens liegt an einem anderen Ort: Der Verkehr, verantwortlich für fast 25 Prozent der weltweiten Treibhausgase, ist ausgeklammert. Namentlich der exponentiell zunehmende Flugverkehr bleibt aussen vor. Gemäss Berechnungen des WWF trägt die Luftfahrt hierzulande in wenigen Jahren über einen Fünftel zur Klimaerwärmung bei. Tendenz steigend. Neuste Zahlen vom Bundesamt für Statistik zeigen: Herr und Frau Schweizer legen jährlich 9000 Kilometer mit dem Flugzeug zurück. Die Zahl der Flugreisen pro Person und Jahr stieg innert fünf Jahren um 43 Prozent auf 0,83 Reisen, wobei auch die Distanzen der einzelnen Reisen markant zugelegt haben. Weniger fliegen wäre angezeigt. Wollen wir das? Verzicht? Eine Steuer auf Flugreisen, damit das Ticket nach Griechenland wieder kostet, was es kosten müsste?

Klimaschutz hat mit Hedonismus oft wenig zu tun. Umso schöner für uns alle, haben wir wenige Wochen vor den Sommerferien auf Kreta (mit Air Berlin bereits ab 149 Fr. zu haben) den neuen Bölimann in der internationalen Klimapolitik gefunden. Donald Trump, dieser Ignorant.