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Leck in der IS-Bürokratie

Ein enttäuschter IS-Kämpfer soll die Personaldaten von etwa 22 000 Kämpfern der Jihad-Organisation gestohlen und sie dem britischen TV-Sender Sky News zugestellt haben.
Walter Brehm
Vom IS organisierte Demonstration für das Kalifat in der nordirakischen Stadt Mossul. (Bild: ap)

Vom IS organisierte Demonstration für das Kalifat in der nordirakischen Stadt Mossul. (Bild: ap)

Da bröckelt etwas. Wie und über was die Weltöffentlichkeit hinsichtlich des sogenannten Islamischen Staats (IS) informiert wird, hat bisher die Terrororganisation selber bestimmt. Professionelle Propaganda gehörte zu den Kernkompetenzen der Jihadisten und ihres selbsternannten Kalifats.

Leck grösser als zuerst vermutet

Nun bestimmen nach eigenen Angaben der britische Fernsehsender Sky News und nationale Sicherheitsbehörden wie das Deutsche Bundeskriminalamt (BKA) darüber mit. Auch die schweizerische Bundesanwaltschaft (BA) erklärt, man habe Kenntnis von den Daten. Ihr Sprecher André Marty sagte, man habe bereits notwendige Schritte in die Wege geleitet.

Laut Sky News hat der britische Sender Daten von über 22 000 IS-Kämpfern zugespielt bekommen. Schon vor Tagen hatte das BKA deutschen Medien ebenfalls zugespielte Personaldaten als authentisch eingestuft. Die nun seit gestern bekannte Zahl der scheinbar enttarnten IS-Taten weist auf ein weit grösseres Leck in der Bürokratie der Jihadisten hin, als anfänglich angenommen worden war. Die vom BKA bereits geprüften Datensätze seien ein Teil der nun bei Sky News vorliegenden Liste.

Die Datensätze enthielten demnach Angaben über Jihadisten aus 51 Ländern – europäische, amerikanische und zahlreiche Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas.

Die Quelle und ihre Daten

Die Akten seien dem internen Sicherheitschef des IS von einem enttäuschten Kämpfer gestohlen worden. Der Mann, der sich Abu Hamed nenne, sei ein ehemaliges Mitglied der als moderat geltenden Rebellengruppe «Freie syrische Armee» (FSA), der sich dem IS angeschlossen habe, sich dann aber enttäuscht von dessen Brutalität wieder abgewandt habe. Die nun Sky News zugespielten Datensätze enthalten demnach Formulare, mit denen neu rekrutierte IS-Kämpfer registriert worden seien. Vermerkt sind darauf Merkmale wie Blutgruppe, Ausbildung, Kampferfahrung und Kenntnisse im islamischen Recht (Sharia) – aber auch Heimat-Adressen und Telefonnummern der Kämpfer.

Die «Märtyrer»-Liste

Besonders «explosiv» sind gesondert aufgeführte Angaben zu sogenannten «Märtyrern», die sich zu Selbstmordanschlägen gemeldet hätten. Unter Tausenden solcher Kämpfer sind laut Sky-News viele Männer, die oft mehrfach und unbehelligt durch Risikoländer wie Jemen, Libyen, Pakistan oder Afghanistan gereist seien, ohne kontrolliert zu werden. Vermutet wird zudem, dass etliche dieser «Märtyrer», kampferprobt und extrem radikalisiert, wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind.

Genau diesen Typus von Rückkehrern fürchten die europäischen und amerikanischen Sicherheitsbehörden als potenzielle Attentäter. Die grossen Anschläge in Paris und Jakarta, aber auch die Attentate in tunesischen Städten sollen ja bereits von Rückkehrern verübt worden sein.

Erfolgreicher Coup oder Taktik?

Ein erfolgreicher Coup eines zur Räson gekommenen Jihadisten oder doch ein kalkulierter Trick des IS? Diese Frage ist derzeit nicht zu klären. Die in Syrien und Irak militärisch in Bedrängnis geratenen Jihad-Terroristen könnten mit der Preisgabe von Daten internationaler Kämpfer auch versuchen, diesen die Lust am Desertieren zu vermiesen. Auch so gesehen zeigte das Auftauchen der Daten, dass der IS viel von seiner Selbstsicherheit verloren haben könnte.

Unklare Erfolgsmeldung

Dass Vorsicht gegenüber solchen Erfolgsmeldungen immer geboten ist, zeigen andere aktuelle Nachrichten über den IS. So hat die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gestern mitgeteilt, dass der aus Tschetschenien stammende hohe IS-Kommandant Abu Omar al-Shishani noch am Leben sei. Die US-Regierung hatte zuvor mitgeteilt, dieser sei bei einem Luftangriff getötet worden. Laut der Beobachtungsstelle ist Shishani zwar verwundet, aber lebend in die IS-Hauptstadt Rakka transportiert worden.

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