Lange Haftstrafen für Söldner

Vier wegen eines Massakers in Bagdad angeklagte Blackwater-Söldner sind von einem US-Bundesgericht zu hohen Haftstrafen verurteilt worden.

Thomas Spang
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WASHINGTON. Als die Anklagten in ihren blauen Hosenanzügen einer nach dem anderen vor Richter Royce Lamberth traten, liessen sie kaum Schuldbewusstsein erkennen. Das Gericht habe nicht verstanden, wie gefährlich die Situation in Bagdad damals am 16. September 2007 gewesen sei. Im gesamten Verfahren sei es darum gegangen, unbescholtene Patrioten aus politischen Gründen zu verurteilen.

«Nichts falsch gemacht»

«Ich weiss sicher, dass meine Ehre wiederhergestellt wird; in diesem Leben und dem nächsten», erklärte Paul A. Slough, der das Massaker an irakischen Zivilisten den Umständen zuschob. «Ich kann ehrlich nicht sagen, irgendetwas falsch gemacht zu haben», erklärte anschliessend auch Dustin Heard, der den Tod der vierzehn Iraker zwar bedauerte, aber für unvermeidbar hielt. «Gott ist mein Zeuge», sieht sich auch Evan Liberty im Recht. Er habe nur auf den Beschuss durch Aufständische reagiert. So sieht es auch Nicholas Slatten, der das Blutbad mit einem gezielten Kopfschuss begonnen hatte. «Ich bin unschuldig, Sir», erklärte er dem Richter.

Richter Lamberth liess sich weder von den Einlassungen der Angeklagten noch den einhundert Unterstützern beeinflussen, die in Blackwater-T-Shirts im Gerichtssaal das weltweit mit Spannung erwartete Urteil hörten. Selbst wenn sich die jungen Männer bis zu diesem Tag nichts hätten zuschulden kommen lassen, «kann so etwas vom Gericht nicht geduldet werden». Lamberth folgte im Fall Slattens der Forderung der Staatsanwaltschaft und schickte den Rädelsführer lebenslänglich hinter Gitter. Die drei anderen Angeklagten müssen für 30 Jahren ins Gefängnis.

Die Verteidiger der Söldner kündigten umgehend Berufung an. Erleichterung machte sich dagegen bei den Angehörigen der Opfer breit. Mohammed Hafedh Abdulrazzaq Kinani, dessen neunjähriger Sohn in dem Massaker ums Leben gekommen war, wiederholte in seinem leidenschaftlichen Appell an den Richter, was 71 Zeugen, darunter auch ehemalige Blackwater-Mitarbeiter, ausgesagt hatten; dass die Söldner ohne Provokation das Feuer eröffneten. «Blackwater hatte eine Macht wie Saddam Hussein», sagte Kinani. «Diese Macht kam von den USA.»

Obamas später Sieg über Bush

Nach dem Verfahren, das über die vergangenen acht Jahre einer Achterbahnfahrt glich, behielt zuletzt die Unabhängigkeit der Justiz die Oberhand. «Was am 16. September 2007 passierte, war eine Greueltat», erklärte sich Staatsanwalt T. Patrick Martin befriedigt über den Ausgang. Für die Obama-Regierung und die Staatsanwälte sind die Urteile nicht nur ein juristischer Erfolg, sondern auch politisch ein wichtiges Signal, das hilft, verlorene Glaubwürdigkeit im Ausland wiederherzustellen. Das Massaker auf dem Nisour-Platz in Bagdad hatte in ganz Irak eine ähnlich traumatische Wirkung wie die Folterungen von Gefangenen in Abu Ghraib.

Die in North Carolina gegründeten Firma Blackwater hatte in Irak eine Schattenarmee unterhalten, die sich ausserhalb der Kommandokette des US-Militärs bewegte. Obwohl es immer wieder Vorwürfe von Übergriffen und Fehlverhalten der Söldner gegeben hatte, schützte die Regierung George W. Bushs die Sicherheitsfirma lange vor Konsequenzen.

Söldner gibt es immer noch

Erst das Massaker auf dem Nisour-Platz führte zur Aufkündigung der Verträge in Irak, die mehr als eine Milliarde Dollar in die Kassen des republikanischen Grossspenders und Firmengründers Erik Prince gespült hatten. Aber nur bedingt zu einem Umdenken. Blackwater wechselte danach mehrfach den Namen und die Besitzer. Das Nachfolgeunternehmen heisst Academi und erhält heute Millionen aus dem Staatshaushalt, für wenig erfolgreiche Versuche, den Drogenanbau und Handel in Afghanistan zu unterbinden.

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