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Lang lebe Lord Buckethead

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Gabriel Felder

Mein politischer Held des Jahres 2017? Keine Frage, Lord Buckethead natürlich! Der selbsternannte «intergalaktische Gebieter des Weltalls» stellte sich bei den britischen Parlamentswahlen vom Juni als Kandidat, und dies ausgerechnet im Wahlbezirk von Premierministerin Theresa May. Buckethead brachte es lediglich auf 249 Stimmen und einen Wähleranteil von gerade mal 0,4 Prozent.

In Sachen Kultcharakter spurtet er in seiner Maskerade – halb Edelritter, halb Darth Vader – allerdings locker an May vorbei. Das Buckethead-Wahlprogramm enthielt wahre Juwelen: Sängerin Adele soll verstaatlicht werden. Schüler, die den Unterricht stören, gehören ins Weltall geschossen – Eltern erhalten als Entschädigung einen Geschenkkorb. Die Jagd auf Fuchsjäger soll legalisiert werden. Und die Frage, ob es ein zweites Brexit-Referendum geben soll, würde laut Buckethead-Manifest in einem Referendum entschieden werden. Macht alles Sinn, finden Sie nicht auch?

Lord Buckethead fügt sich nahtlos in die kuriose britische Tradition ein, unorthodoxe unabhängige Kandidaten ins Rennen um Parlamentssitze zu schicken. Die sogenannte «Monster Raving Loony Party» (Partei des absoluten Durchknalls) beteiligt sich seit Jahren und landesweit an politischen Wettbewerben. In schrille Anzüge und Kopfbedeckungen gekleidet, bilden die «Loonies» einen festen Bestandteil des Bildes, das während Wahl­sendungen in die Wohnzimmer der Nation flimmert.

Wirklich ernst gemeint sind die Kandidaturen nie: Es geht hier mehr um einen satirischen Seitenhieb, der die konventionelle Politlandschaft grau, lustlos und abgedroschen erscheinen lassen will. Die Kandidaten der etablierten Parteien treten von einem Bein aufs andere, wenn sie sich zur Resultatsverkündigung aufstellen müssen und ausgerechnet neben einem der politischen Paradiesvögel zu stehen kommen. Und damit erfüllen die exzentrischen Miniaturparteien ihren Zweck: Für jeden unbequemen Gesichtsausdruck gibt’s einen Punkt. Extrabonus für den Ausdruck peinlicher Berührung.

Theresa May als wahre Meisterin des einstudierten Lächelns liess sich von Lord Buckethead allerdings nicht aus ihrer stoischen Ruhe bringen. Presseberichten zufolge fühlte sie sich an jenem Abend im Juni, als ihre Wahlschlappe klar wurde, «wie versteinert». Verständlich: Die von ihr ausgerufenen Parlamentswahlen waren nicht nur unnötig, sondern auch für den Verlust der konservativen Parlamentsmehrheit verantwortlich.

Womit wir beim politischen Flop des Jahres wären. Mays Kalkulation, dass sich der massive Vorsprung ihrer Partei in den Umfragen in Wählerstimmen ummünzen liesse, ging voll daneben. Eine seltsam sterile und unbeholfene Kampagne machte ihr einen derart dicken Strich durch die Rechnung, dass man ihn aus dem Weltall erkennen konnte. Trotzdem verdient die britische Premierministerin eine Auszeichnung: politischer Teflon des Jahres. Wer hätte gedacht, dass May zum Jahresende noch im Amt sitzt? Ihre Widerstandsfähigkeit deutet auf eine Staatsdienerin hin, die den Schirm nicht gleich beim kleinsten Windstoss zumacht. Und May musste wahre Sturmböen über sich ergehen lassen seit ihrem Wahlflop.

Von Teflon hat wohl auch Lord Buckethead eine Ahnung. Sein zylinderförmiger Kübelkopf scheint mir aus ziemlich robustem Material zusammengeschweisst. Eine Metapher für die oft sturen Köpfe des britischen Zwei-Parteien-Systems, wie sie nur dem intergalaktischen Gebieter des Weltalls einfallen kann. Lang lebe Lord Buckethead.

Gabriel Felder

Freier Journalist in London

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