«Labouradoren» und Queen-Gerüchte: die skurrilen Seiten der britischen Wahlen

Die Briten haben gewählt – und es war einmal mehr ein Spektakel. Nebst vierbeinigen Wahlbegleitern sorgten übermütige Studenten und zwei linke Schuhe für Aufsehen.

Gabriel Felder aus London
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Herrchen und Frauchen wählen, aber sicher nicht ohne den vierbeinigen Stolz der Familie mitzunehmen. (Bild: Keystone)

Herrchen und Frauchen wählen, aber sicher nicht ohne den vierbeinigen Stolz der Familie mitzunehmen. (Bild: Keystone)

Britische Politikerinnen und Politiker, die etwas auf sich halten, bringen vierbeinige Verstärkung mit zur Urne: Boris Johnson schritt mit seinem Jack-Russell-Mischling Dilyn zum Wahllokal in Westminster. Die Anführerin der Schottischen Nationalisten, Nicola Sturgeon, borgte sich für den Wahltag sogar einen Schnauzer.

Und Londons Labour-Bürgermeister Sadiq Khan liess sich mit seiner Labrador-Dame Luna ablichten, die auf Twitter prompt und zum «Labourador» umbenannt wurde. Der Hashtag #dogsatpollingstations gehörte am Donnerstag zu den Toptrends in den sozialen Medien.

Aber nicht nur Hunde, auch Verkleidungen haben im britischen Wahlkampf ihren festen Platz. Die sogenannte «Official Monster Raving Loony Party» – eine Satirepartei, die immerhin 24 Kandidaten stellte – präsentiert sich oft in skurrilen Kostümen, grellen Krawatten und viel zu grossen Hüten.

In ihrem Wahlprogramm findet sich unter anderem eine Initiative, die Weihnachtsbäume mit «magischen Geldbäumen» ersetzen will. Der Seitenhieb gegen die üppigen Ausgabeversprechen der Hauptparteien fand auch in diesem Wahlgang nur wenige Abnehmer, aber das stört die «Loonies» nicht. «Es zeigt lediglich, dass wir der Zeit voraus sind», gibt sich Parteiführer Howling Laud Hope gewohnt breitbeinig.

Bedeutend mehr Zurückhaltung kommt aus der Bastion britischer Noblesse und Stabilität, dem Königshaus. Mit Königin Elizabeth II schwingt eine Monarchin das Zepter, die ihre Rolle als unparteiisches Staatsoberhaupt extrem ernst nimmt.

Als die Zeitung «Sun» vor dem Brexit-Referendum berichtete, die Queen würde für einen Ausstieg aus der Europäischen Union stimmen, kam postwendender Tadel aus dem Buckingham Palace. Man war «not amused» – genau so wenig wie über die Gerüchte, dass das Herz der Königin auf der linken Seite schlägt und sie am Donnerstag für Labour gestimmt habe.

Wettkampf um den «schnellsten Wahlbezirk»

Auch Sport spielt eine Rolle in den seltsamen Ritualen rund um die britischen Parlamentswahlen: Die benachbarten Wahlbezirke und Fussballrivalen Sunderland und Newcastle nehmen die Auszählung der Stimmen jeweils zum Anlass, die Turnschuhe anzuschnallen: Studenten stellen sich der Herausforderung, Wahlurnen im Rekordtempo in die Sporthallen zu spedieren, um den Titel des schnellsten Wahlbezirks des Vereinigten Königreichs zu erhaschen.

Favorit Newcastle lief als erster über die Ziellinie und das traditionelle Spektakel von eifrig hüpfenden Zwanzigjährigen, die sich an schwarze Plastikkisten klammern, als ginge es um Leben und Tod, wurde von sämtlichen TV-Stationen live übertragen. Die Welt schien in Ordnung zu sein für fünf Minuten, unabhängig von den politischen Turbulenzen.

Eine der bizarrsten Episoden der Parlamentswahlen vom Donnerstag betraf die Fussbekleidung einer Labour-Politikerin: Diane Abbott schien zwei linke Schuhe zu tragen, als sie sich vor ihrem Wahllokal ablichten liess. Ein Twitter-Sturm brach aus, bis jemand feststellte, dass das Bild subtil manipuliert war. Frau Abbott hätte sich die Aufregung sparen können, wenn sie mit einem Vierbeiner zum Abstimmen aufgekreuzt wäre.