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KURDEN: Der Kurdenführer steht vor dem politischen Aus

Trotz vieler Warnungen liess Masud Barzani über die Unabhängigkeit seiner bereits autonomen Region abstimmen. Die Folgen dürften verheerend sein.

Er war eines der Symbole für die Autonomie des irakischen Kurdistans: der internationale Flughafen von Arbil. Seit dem Unabhängigkeitsreferendum vor vier Wochen wird der 550 Millionen Dollar teure Airport, auf dem die kurdische Autonomiebehörde vor sieben Jahren voller Stolz die Passkontrolle übernommen hatte, nicht mehr angeflogen.

Noch verheerender für die Kurden ist der Verlust der Ölstadt Kirkuk. Auch die umstrittenen Gebiete in der überwiegend christlichen Niniveh-Ebene bei Mossul sowie die Region Sinjar haben von schiitischen Milizen unterstützte irakische Armeeeinheiten den kurdischen Peschmerga entrissen. Dass Bagdad die Regionalregierung in Arbil für ihren Alleingang so hart bestrafen würde, hatten die Betroffenen ganz offensichtlich nicht erwartet.

Nüchtern betrachtet hätten sie es besser wissen müssen. Mit «Engelszungen» hatte vor allem Brett McGurk, der US-Sondergesandte für den Kampf gegen den IS, Kurdenführer Masud Barzani davon zu überzeugen versucht, dass das Unabhängigkeitsreferendum «zum falschen Zeitpunkt» käme. «Haltet ihr daran fest, könntet ihr alles verlieren», soll der Amerikaner den 71-jährigen Politiker gewarnt haben. Doch Barzani blieb stur, glaubte sich nach dem erfolgreichen Kampf seiner Peschmerga gegen den IS in einer Position der Stärke. Dabei würde ein Blick auf die Landkarte genügen, um zu begreifen, dass ein kurdischer Binnenstaat ohne das Wohlwollen der Iraker, Iraner und Türken, die den Kurdenchef ebenfalls vor den Folgen des Referendums gewarnt hatten, nicht überlebensfähig wäre. «Barzani hat sich verzockt», kommentierte ein westlicher Diplomat in Arbil «den völlig unverständlichen Alleingang des Kurden». Jetzt müsse er den politischen Preis dafür bezahlen.

Und der ist hoch. Um wenigstens die kurdische Autonomie noch zu retten, forderte die einflussreiche kurdische Oppositionspartei Goran am Montag den Rücktritt von Kurdenführer Barzani. Eine Regierung der «Nationalen Errettung» müsse jetzt in Gesprächen mit Bagdad, Teheran und Ankara versuchen, die Krise zu überwinden.

Masud Barzani selbst wurde seit dem Unabhängigkeitsvotum am 25. September nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. «Seine Partei ist in Kurdistan selbst, im Irak und im Mittleren Osten völlig isoliert», urteilt Kirk Sowell, der Herausgeber des Internetnewsletter «Inside Iraqi Politics». Jetzt räche es sich, dass sich Barzani die letzten Jahre mit Beratern umgeben habe, die ihm nur das sagten, was er hören wollte.

Um Verhandlungen mit den Nachbarn wieder in Gang zu bringen, müsste der politisch angeschlagene Kurde seine Maximalposition – die Unabhängigkeit – wieder aufgeben, glaubt nicht nur Karim Bitar vom Pariser Institut für Strategische Studien. Schliesslich habe sich die ganze Welt, von Israel einmal abgesehen, für die territoriale Einheit und Integrität des Irak ausgesprochen.

Doch kann sich ein Politiker wie Barzani, der über 50 Jahre für die Unabhängigkeit von Kurdistan gekämpft hat, es sich leisten, langfristig eine Art Lokalautonomie zu akzeptieren? Der Gesichtsverlust wäre in diesem Fall gewaltig. Für die meisten Kurden, deren Hoffnungen auf einen eigenen Staat mit dem Unabhängigkeitsreferendum vor einem Monat weiter geschürt wurden, bräche eine Welt zusammen.

Michael Wrase

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