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(Bild: Keystone/Christophe Petit Tesson, Paris, 16. April 2019)

(Bild: Keystone/Christophe Petit Tesson, Paris, 16. April 2019)

Welche Schätze aus der brennenden Notre-Dame gerettet werden konnten– und welche nicht

Die gute Nachricht: Der Kirchenschatz der Notre-Dame hat den Brand am Montag unversehrt überstanden. Wie es bei den unbezahlbaren Kunstgegenständen aussieht ist noch unklar. Eine Zwischenbilanz.
Daniel Huber / Watson und Gabriela Jordan

Entsetzt mussten die Pariser am Abend des 15. April zusehen, wie immer höhere Flammen aus dem Dach der Notre Dame schlugen. Die berühmte Kathedrale, noch vor dem Eiffelturm die meistbesuchte Sehenswürdigkeit der französischen Hauptstadt, wurde vom Feuer schwer beschädigt. Immerhin konnten die Fassaden und die beiden Glockentürme gerettet werden; die Hauptstruktur des Bauwerks blieb weitgehend intakt.

Wie indes die Bilanz bei den unbezahlbaren Kunstgegenständen aussieht, die Teil der Kathedrale sind oder in ihr aufbewahrt werden, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen genauer zeigen. Soviel ist aber derzeit sicher: Der Kirchenschatz der Notre Dame hat das Inferno unversehrt überstanden.

Gerettete Objekte

Es waren Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, die die wertvollen Objekte aus dem Anbau der Kirche holten. Ohnehin erreichte das Feuer diesen Anbau offenbar nicht.

Der ursprüngliche Kirchenschatz, dessen älteste Bestände aus dem Jahr 1343 stammten, war einer der reichsten in ganz Frankreich, bevor er während der Französischen Revolution 1789 zerstört wurde. Kein einziges Objekt aus diesem alten Schatz überstand die Wirren der Revolution. Mehrere Reliquien, die angeblich von der Passion Christi stammen, waren jedoch in der Sainte Chapelle aufbewahrt worden und entgingen der Vernichtung. Sie wurden 1804 in die Notre Dame gebracht und bildeten die Grundlage für den neuen Kirchenschatz.

Dies sind die bedeutendsten Objekte aus dem Kirchenschatz:

Die Krone ist eine der wichtigsten christlichen Reliquien. Sie befindet sich seit Montagabend im Pariser Rathaus. (Bild: Key)

Die Krone ist eine der wichtigsten christlichen Reliquien. Sie befindet sich seit Montagabend im Pariser Rathaus. (Bild: Key)

  • Christi Dornenkrone: Die wichtigste Reliquie des Kirchenschatzes ist die Couronne d’épines (Dornenkrone), die Jesus angeblich kurz vor seiner Kreuzigung aufgesetzt wurde. König Louis IX. (1214-1270) erwarb sie 1237 vom Kaiser in Konstantinopel und brachte sie 1239 nach Paris, wo sie zunächst in der Notre Dame aufbewahrt wurde, bevor sie in die eigens errichtete Sainte Chapelle kam. Nach der Revolution kam die Reliquie zurück in die Kathedrale. Seit 1896 wird die Dornenkrone in einer kostbaren Hülle aus Kristall und Gold aufbewahrt.
  • Das Büssergewand von Louis IX: Der französische König, der später heiliggesprochen wurde, brachte die Dornenkrone barfuss und im Büssergewand nach Paris. Dieses Kleidungsstück gehört ebenfalls zu den Schätzen, die in der Notre Dame aufbewahrt wurden. Das Gewand wurde kurz nach dem Ausbruch des Brands aus der Kirche geholt.
  • Holz und Nagel vom Heiligen Kreuz: Ein Splitter vom Kreuz, an dem Jesus Christus starb, und ein Nagel, der angeblich den göttlichen Leib durchbohrt hatte, sind ebenfalls Teil des Kirchenschatzes.
  • Monstranz von Sainte Geneviève: Die Monstranz stammt aus der ehemaligen Kirche Saint Geneviève, die kurz nach ihrer Fertigstellung während der Revolution profanisiert wurde und heute als Panthéon bekannt ist. Seit 1894 befindet sie sich im Kirchenschatz.

Neben dem eigentlichen Kirchenschatz sind auch weitere wertvolle Kunstgegenstände unversehrt geblieben oder konnten rechtzeitig gerettet werden:

Hier eine der Statuen beim Abtransport. (Bild: Key)

Hier eine der Statuen beim Abtransport. (Bild: Key)

  • 16 Kupferstatuen: Ein glücklicher Zufall rettete die 16 Kupferstatuen bei der Turmspitze. Sie wurden nur vier Tage vor dem Brand in einer aufwändigen Aktion von der Turmspitze geholt, um sie in Südfrankreich restaurieren zu lassen. Die Statuen stammen aus dem Jahr 1860 und stellen die zwölf Apostel und die vier Evangelisten dar.
  • Altarverzierung: Die Altarverzierung konnte in Sicherheit gebracht werden. Sie umfasst unter anderem ein Kreuz mit sechs Kerzenleuchtern, und zwei grosse Kerzenhalter. Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, twitterte ein Bild, auf dem einige der geretteten Gegenstände zu sehen sind:
  • Gemälde: Zu den geretteten Kunstwerken zählen einige Gemälde, darunter «La Vierge de Piété» von Lubin Baugin, «Vierge à l’enfant» und «La Vierge noire de Czestochowa».
Die grösste Glocke der Notre Dame. (Bild: Key)

Die grösste Glocke der Notre Dame. (Bild: Key)

  • Glocken: Die Glocken der Kathedrale befinden sich in den beiden vom Feuer verschonten Glockentürmen und nahmen daher keinen Schaden. Bekannt ist vor allem die Glocke «Emmanuel», die den Ruf geniesst, die wohlklingendste Glocke Frankreichs zu sein. 1944 läutete sie, um das Ende der deutschen Besetzung zu verkünden. Sie ist mit ihrem Gewicht von 23 Tonnen zugleich die grösste der zehn Glocken der Kathedrale.
  • Sakristei: Die Sakristei, in der wertvolle Goldschmiedearbeiten aufbewahrt werden, blieb vom Feuer verschont. Die Feuerwehrleute liessen diese Kunstgegenstände deshalb an ihrem Ort.

Teilweise gerettete Objekte

Die farbigen Rundfenster an der Süd-, West- und Nordfassade stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die grösste Rosette hat einen Durchmesser von 13 Metern. (Bild: Wikimedia)

Die farbigen Rundfenster an der Süd-, West- und Nordfassade stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die grösste Rosette hat einen Durchmesser von 13 Metern. (Bild: Wikimedia)

  • Rosetten: Die drei riesigen Rosetten der Kathedrale, die die Blumen des Paradieses darstellen, wurden im 13. Jahrhundert konstruiert und danach mehrmals restauriert. Das Glasfenster auf der Westseite hat einen Durchmesser von 10 Metern, jenes auf der Südseite misst 12,9 Meter und das grösste auf der Nordseite sogar 13,1 Meter. Vermutlich haben zumindest die Nord- und Südrosette den Brand überstanden, wenn sie auch völlig verrusst wurden.
Das Instrument mit seinen knapp 8000 Pfeifen ist eines der wertvollsten der Welt. (Bild: Wikimedia)

Das Instrument mit seinen knapp 8000 Pfeifen ist eines der wertvollsten der Welt. (Bild: Wikimedia)

  • Orgel auf der Westempore: Die Hauptorgel von Aristide Cavaillé-Coll, die erst zwischen 2012 und 2014 aufwändig restauriert wurde, befindet sich auf der Westempore; sie ist mit ihren knapp 8000 Pfeifen eine der grössten und bekanntesten der Welt. Konstruiert wurde sie von 1863 bis 1868, wobei ältere Teile aus dem 18. Jahrhundert und noch ältere Pfeifen weiterverwendet wurden. Es ist noch unklar, wie stark die Orgel beschädigt wurde. Der stellvertretende Bürgermeister Emmanuel Gregoire sagte, sie sei nahezu unbeschädigt. Andere Quellen bezeichneten sie als stark beschädigt.
  • Der Altar: Der Altar ist vermutlich zumindest zum Teil erhalten geblieben. Das Kreuz und die Statuen – die Figurengruppen stellen die Kreuzabnahme und die Grablegung dar – erscheinen auf Aufnahmen nach dem Brand noch intakt.
Von den 76 sogenannten «Grand Mays» wurden zuletzt 13 in den Kapellen der Kirche ausgestellt. Sie wurden bei den Löscharbeiten offenbar beschädigt. (Bild: Wikimedia)

Von den 76 sogenannten «Grand Mays» wurden zuletzt 13 in den Kapellen der Kirche ausgestellt. Sie wurden bei den Löscharbeiten offenbar beschädigt. (Bild: Wikimedia)

  • «Les grands Mays»: Zwischen 1630 und 1707 stiftete die Zunft der Goldschmiede der Notre Dame jedes Jahr zum 1. Mai ein Gemälde zu Ehren der Jungfrau Maria. Von diesen grands Mays genannten Gemälden waren derzeit 13 in den Seitenkapellen des Längsschiffs ausgestellt. Hinzu kamen zwei weitere Gemälde, die im Hauptschiff ausgestellt waren. Die Gemälde sollen laut dem französischen Kulturminister Wasserschäden aufweisen. Möglich ist auch, dass der Rauch sie verschmutzte. Sie sollen zur Restauration ins Louvre-Museum gebracht werden.

Zerstörte Objekte

Der Spitzturm der Kirche ist nun abgebrannt. Der Bischof verstaute die Reliquien der beiden Stadtheiligen 1935 zum Schutz der Kirche ausgerechnet im goldenen Gockel auf diesem Spitzturm. (Bild: Key)

Der Spitzturm der Kirche ist nun abgebrannt. Der Bischof verstaute die Reliquien der beiden Stadtheiligen 1935 zum Schutz der Kirche ausgerechnet im goldenen Gockel auf diesem Spitzturm. (Bild: Key)

  • Die Turmspitze: Die erste Turmspitze wurde 1250 konstruiert, aber Ende des 18. Jahrhunderts entfernt. Die heutige Turmspitze, die nun dem Brand zum Opfer fiel, wurde 1860 im Zuge der grossen Restauration der Kathedrale aufgesetzt. Die 96 Meter hohe Spitze bestand aus etwa 500 Tonnen Holz und 250 Tonnen Blei.
  • Reliquien in der Turmspitze: Im Hahn, der auf der Turmspitze thronte, befanden sich drei Reliquien: ein Stück der Dornenkrone, eine Reliquie des heiligen Dionysius und eine der heiligen Genoveva.
  • Der «Wald»: Das Balkenwerk des Dachstuhls, auf französisch le fôret («der Wald») genannt, wurde beim Brand vollkommen zerstört. Es handelte sich um ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Einige der Eichenbalken wurden beim Neubau des Dachstuhls 1260 wiederverwendet, sie stammten vermutlich aus dem Dachstuhl von 1160/70.

Die Geschichte der Kathedrale

  • Die Kathedrale Notre-Dame de Paris steht auf der Seine-Insel Île de la Cité und ist im gotischen Stil gebaut. Der Grundstein wurde im Jahr 1163 unter Bischof Maurice de Sully gelegt. Bis zur Fertigstellung des 127 Meter langen und 33 Meter hohen Bauwerks dauerte es fast 200 Jahre.
  • Während der Französischen Revolution 1789 und bei Unruhen im Jahr 1831 wurde der Sakralbau geraubt und geplündert. Um einer antikirchlichen Bewegung Rechnung zu tragen, wurde die Kathedrale im Zuge der Französischen Revolution zu einem «Tempel der Vernunft» erklärt.
  • Nach der Revolution rettete die Restaurierung unter Architekt Eugène Viollet-le-Duc das Monument vor dem Verfall. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es von Grund auf erneuert. Auch die liturgischen Schätze wurden nach und nach wiederhergestellt.
  • Berühmt wurde die Kathedrale auch durch den Roman «Der Glöckner von Notre-Dame» von Victor Hugo im Jahr 1831 und durch die gleichnamige Disney-Verfilmung im Jahr 1996. Seit 1979 gehört die Kathedrale zum Weltkulturerbe der Unesco.
  • 2013 beging Paris das 850-jährige Bestehen von Notre-Dame mit einer sanierten Orgel. Seit den islamistischen Terroranschlägen der letzten Jahre in Frankreich patrouillieren bei der Kathedrale wie an vielen anderen Pariser Touristen-Magneten Soldaten.

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