KUBA: Verunsicherung nach Fidel Castros Tod

Der Tod Fidel Castros verstärkt die Unsicherheit über den künftigen Kurs der US-Politik gegenüber Kuba. Donald Trump hat Signale in alle Richtungen gegeben.

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Im amerikanischen Miami feiern Einwohner Castros Tod. (Bild: EPA)

Im amerikanischen Miami feiern Einwohner Castros Tod. (Bild: EPA)

Nur eines darf nach dem Ableben des Revolutionsführers als sicher gelten: die Freude der Exil-Kubaner über das Ende eines Diktators, der über mehr als ein halbes Jahrhundert die Geschicke der Zuckerinsel prägte. Der Jubel auf der «Calle Ocho» in der «Little Havanna»-Nachbarschaft von Miami wird über alle politischen Lager hinweg als Erlösung empfunden.

Präsident Barack Obama drückt sich in seiner sorgfältig formulierten Stellungnahme zum Tode Castros diplomatischer aus, meint aber dasselbe. «Dieser Moment erfüllt Kubaner (...) mit starken Emotionen, die auf vielfältige Weise in Erinnerung rufen, wie Fidel Castro den Verlauf einzelner Leben, von Familien und der kubanischen Nation beeinflusst hat.» Sehr viel ungewisser bleibt, wie es nun weitergeht in dem Verhältnis zwischen der Supermacht und der kommunistischen Karibikinsel auf der anderen Seite der Strasse von Florida.

Angesichts der überlebensgrossen Rolle, die der Diktator selbst nach der freiwilligen Übergabe der Macht an seinen jüngeren Bruder Raul 2008 spielte, lässt sich nur darüber spekulieren, welche Auswirkungen Fidels Tod auf das Regime in Havanna hat. Wie in vielen anderen Diktaturen dürfte das Ableben des 90jährigen Revolutionsführers zunächst einmal Verunsicherung auslösen.

Von Obama zu Trump

Mindestens so unklar stellt sich die Situation in den USA dar, die unter Präsident Obama eine historische Kurswende in dem traumatischen Verhältnis der Nachbarländer eingeleitet haben. Dazu gehört die Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen, die Lockerung des Reisebanns inklusive der Rückkehr direkter Flugverbindungen sowie Erleichterungen im Geldverkehr.

Obama betrachtet die 2014 geheim unter Vermittlung des Vatikans ausgehandelte Annäherung als Teil seines politischen Erbes. Die Amerikaner stehen mehrheitlich hinter der neuen Politik und bei den Exil-Kubanern findet sie geteilte Unterstützung. Während die jüngeren Kubaner den Kurs Obamas für richtig halten, gibt es vor allem bei den älteren anhaltenden Widerstand.

Der künftige US-Präsident hat zu dem bilateralen Verhältnis bisher nicht viel gesagt. Und das, was Trump von sich gab, lässt sich in jede Richtung hin interpretieren. Als Geschäftsmann schickte er Emissäre nach Havanna, die dort sein Interesse am Bau eines Golfplatzes ventilierten. Gut denkbar, dass ein Präsident Trump die Öffnungspolitik aus Eigennutz weiterlaufen lässt. Dass er im Wahlkampf die Veteranen der «Brigade 2506» hochleben liess, die in der gescheiterten Invasion der Schweinebucht 1961 kämpften, deutet in die gegenteilige Richtung. Experten werten die Berufung des Anti-Castro-Hardliners Mauricio Claver-Carone in das Übergangsteam Trumps als Hinweis auf eine Restauration der gescheiterten US-Kuba-Politik der vergangenen fünf Jahrzehnte.

«Das ist sicher ein Schritt, den die kubanische Regierung als sehr alarmierend empfindet», sagt der Politologe Richard Feinberg von der University of California in San Diego. Vielleicht ist es aber auch nur ein Bluff des künftigen Präsidenten, der Unberechenbarkeit zu einem Instrument der Aussenpolitik machen möchte. Seine Politik gegenüber Kuba nach dem Tod Fidel Castros ist die erste Probe aufs Exempel.

Thomas Spang/Washington