Krisenland
Frankreich beendet Militärkooperation mit Mali: Macron warnt vor neuer Migrationswelle aus dem Sahel

Frankreich stoppt die militärische Kooperation mit Mali, um Druck auf das neue Putschregime in Bamako zu machen. Die Folgen könnte Europa bald zu spüren bekommen.

Stefan Brändle, Paris
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Haben den Jihadisten ohne ausländische Unterstützung wenig entgegenzusetzen: Malis Polizisten.

Haben den Jihadisten ohne ausländische Unterstützung wenig entgegenzusetzen: Malis Polizisten.

Keystone

Die französischen Truppen beenden jede Zusammenarbeit mit der Armee in Mali – mit sofortiger Wirkung. Seit 2013 hatten 5100 französischen Elitesoldaten in Mali einen aufreibenden Wüstenkampf gegen die mobilen Jihad-Kommandos geführt. Mit dem Abzug protestiert Frankreich gegen den zweiten Putsch im westafrikanischen Land binnen weniger als einem Jahr. Der neue starke Mann Malis, Oberst Assimi Goïta, hatte die nach dem ersten Staatsstreich eingesetzte zivile Regierung zum Rücktritt gezwungen und sich selber zum Übergangspräsidenten ausgerufen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will seine Elitesoldaten keiner unnötigen Gefahr aussetzen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will seine Elitesoldaten keiner unnötigen Gefahr aussetzen.

Keystone

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel verlangten diese Woche mit Nachdruck Neuwahlen. Die Afrikanische Union und die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas haben Mali ihrerseits suspendiert.

Jihadisten dehnen ihr Einflussgebiet aus

Die Forderung nach regulären Wahlen in dem labilen Schlüsselland Westafrikas hat einen weiteren Grund: Die Europäer und die USA befürchten, dass der Putschist Goïta mit den Jihadisten Verhandlungen aufnehmen könnte. Das zu 90 Prozent muslimische, aber bisher sehr tolerante Land gerät zunehmend unter den Einfluss von islamistischen Predigern. Macron erklärte, er werde «nie im Leben zulassen», dass französische Soldaten vor Ort gegen Jihadisten kämpften, während Bamako Kontakte zu radikalen Islamisten knüpfe.

Die Jihadisten haben ihr Einflussgebiet derweil auch auf Malis Nachbarländer Burkina Faso und Niger ausgedehnt. Das stellt in den Augen des französischen Präsidenten nicht nur eine Gefahr für die lokale Bevölkerung dar, sondern bringt auch für Europa verheerende Konsequenzen mit sich. Macron sagte:

«Wenn wir eine Niederlage gegen die Jihadisten in Westafrika zulassen, werden wir das selber teuer bezahlen, und zwar vor allem in Sachen Migration.»

Der Abzug der französischen Truppen macht dieses Szenario umso wahrscheinlicher.

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