Kriegsgreuel im Ferienparadies

UNO-Kommission legt Bericht über die letzten Monate des Bürgerkriegs in Sri Lanka vor und fordert eine internationale Untersuchung. Colombo lehnt dies ab.

Willi Germund
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Colombo. Sri Lankas Regierung bebt vor Zorn über den Report einer dreiköpfigen Kommission, die im Auftrag des UNO-Generalsekretärs die letzten drei Monate des brutalen Kriegs zwischen Regierungstruppen und der «Befreiungsfront Tamil Eelam» (LTTE) 2009 unter die Lupe nahm. Dew Gunasekara, ein Führungsmitglied der Kommunistischen Partei und «Minister für menschliche Ressourcen», behauptete: «Der Bericht ist ein Rückschlag für den Versöhnungsprozess.»

Präsident Mahinda Rajapakse, ein singhalesischer Nationalist, schürte bereits vor der Veröffentlichung des Berichts die Emotionen seiner Bevölkerungsgruppe, als er erklärte, er sei bereit, «für die Nation auf den elektrischen Stuhl zu steigen».

Kritik an allen Seiten

Die dreiköpfige UNO-Kommission kam zu verheerenden Ergebnissen – für alle Beteiligten. Colombo wird vorgeworfen, systematisch Spitäler und mit Vertriebenen überfüllte Gebiete mit Artillerie beschossen zu haben. Ausserdem sollen Kämpfer der LTTE, die sich ergeben wollten, auf Befehl der Regierung kaltblütig getötet worden sein.

Der LTTE, die inzwischen nicht mehr existiert, wird vorgeworfen, Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht zu haben. An die Adresse der Vereinten Nationen selber kritisiert der Bericht, dass die UNO nicht ausreichend versucht habe, das Blutvergiessen zu stoppen.

Über 100 000 Tote

Der Konflikt war nach fast 30jährigem Bürgerkrieg am 19. Mai des Jahres 2009 mit dem uneingeschränkten Sieg der Regierungstruppen zu Ende gegangen. Insgesamt soll er über 100 000 Menschenleben gefordert haben. Allein in den letzten Monaten der Regierungsoffensive starben nach Schätzungen von Experten etwa 40 000 Menschen. Die meisten gehörten zur Minderheit der Tamilen, in deren Namen die LTTE einen unabhängigen Staat gegen die Bevölkerungsmehrheit der Singhalesen durchsetzen wollte.

Seither zog Präsident Rajapakse, auf einer Welle der singhalesischen Euphorie reitend, nahezu alle Machtfunktionen an sich und veränderte die Verfassung so, dass er noch jahrelang regieren kann. Seine Minister mobilisierten immer wieder Demonstranten, um gegen internationale Versuche zu protestieren, die Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zu untersuchen. Ban Ki Mon hatte deshalb Colombo bereits in der vergangenen Woche aufgefordert, die UNO-Mitarbeiter und Büros in Sri Lanka zu schützen.

Kaum Hoffnung auf Klärung

Auch der Untersuchungsbericht verlangt nun eine internationale, juristische Aufarbeitung des Konflikts. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass ein solches Verfahren zustande kommt. Die Regierung in Colombo verweigerte in der Vergangenheit eine ausländische Teilnahme an solchen Untersuchungen.