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Krieg im Jemen: Der Hunger als Waffe

Mehr als 500 Tote seit dem 1. November: Trotz Aufrufen zu einem Waffenstillstand eskalieren die Kämpfe um die jemenitische Hafenstadt Hodeida. Die UNO warnt vor einem «Land der Gespenster».
Michael Wrase, Limassol
Regierungstreue jemenitische Truppen ziehen jubelnd durch die Stadt Hodeida. (Bild: Epa (5. November 2018))

Regierungstreue jemenitische Truppen ziehen jubelnd durch die Stadt Hodeida. (Bild: Epa (5. November 2018))

Lachende, zufriedene jemenitische Kinder, darunter die Worte «Eure Kinder, unsere Kinder»: Am Wochenende verbreitete das saudisch-arabische Aussenministerium im Jemen dieses Foto. Das Wüstenreich führt eine Koalition gegen die Huthi-Rebellen an und inszeniert sich als Wohltäter. Dies steht im Kontrast zur Hungersnot, welche die Saudis im ärmsten Land Arabiens verursacht haben. Zudem toben im Jemen gegenwärtig die schwersten Kämpfe seit dem Beginn des Krieges seit mehr als vier Jahren.

Die Schlacht um die strategisch bedeutende Hafenstadt Hodeida am Roten Meer forderte seit dem 1. November mehr als 500 Tote. Ein Ende der Kampfhandlungen ist nicht in Sicht. Dabei hatten die USA erst vor zwei Wochen die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand sowie Friedensverhandlungen innerhalb von 30 Tagen aufgerufen.

Nahrungsmittel für acht Millionen Menschen

Im Jemen kämpfen die Huthi-Rebellen gegen Truppen der ins Exil geflohenen Regierung. Seit 2014 steht Saudi-Arabien an der Spitze einer Koalition arabischer Staaten gegen die Milizen und bombardiert das Land aus der Luft. Um ihre Verhandlungsposition zu verbessern, startete die saudische Kriegskoalition daraufhin eine neue Offensive zur Eroberung von Hodeida. Verlieren die aufständischen, proiranischen Huthi-Rebellen ihren wichtigsten Hafen, so das Kalkül, dann könnten sie zu grösseren politischen Zugeständnissen bereit sein.

In Wirklichkeit versuchen die Saudis, den Hunger im Jemen, von dem mehr als 14 Millionen Menschen betroffen sind, erneut als Waffe einzusetzen. Nach Angaben des World Food Programms (WFP) der Vereinten Nationen werden gegenwärtig täglich Nahrungsmittel für knapp acht Millionen Menschen ausgeliefert, davon 70 Prozent über den Hafen von Hodeida. Das neue Ziel sei es jedoch, 14 Millionen Menschen, die Hälfte der Bevölkerung, mit Essen zu versorgen, was aber nur dann möglich sei, wenn «die Gewalt in dem Land sofort aufhört». Andernfalls werde der Jemen ein Land der Gespenster, «mit Menschen, die nur noch Knochengerüste sind», hatte WFP-Sprecher Herve Verhoosel am letzten Donnerstag in Genf gewarnt.

Die prosaudischen Regierungstruppen waren zu diesem Zeitpunkt erstmals in Aussenbezirke von Hodeida vorgedrungen. Um die Offensive zu beschleunigen, flog die saudische Militärkoalition bis zu 200 Luftangriffe am Tag. Etwa die Hälfte der 450000 Einwohner Hodeidas dürften in den letzten Wochen geflohen sein.

In den USA wächst der Widerstand gegen den Krieg

Nach einer Eroberung des Hafens durch prosaudische Kräfte dürfte sich die ohnehin schon katastrophale Situation noch weiter verschärfen. Sollte die Infrastruktur der Hafenanlagen zerstört werden, werde damit die Ankunft von Überlebenshilfe behindert oder gar gestoppt, befürchtet etwa Mirella Hodeib vom Internationalen Rot-Kreuz-Komitee. Sie ist nicht die einzige.

Auch in den USA, dem wichtigsten Unterstützer der saudischen Kriegskoalition, wächst der Widerstand gegen den unsinnigen Krieg im Jemen. Um den Druck auf das saudische Regime zu verstärken, hatte das Pentagon Ende Oktober die Einstellung der Luftbetankung saudischer Kampfjets in Aussicht gestellt, diesen Schritt aber nicht offiziell gemacht, um Riad einen Gesichtsverlust zu ersparen.

Am Wochenende sagten saudische Militärsprecher nun an, die Saudis hätten die USA von sich aus um die Beendigung der Luftbetankung gebeten, weil man «dazu jetzt auch ohne fremde Hilfe in der Lage sei». Amerikanische Militärexperten halten das Ende der Luftbetankung ohnehin für «nicht ausreichend», um Saudi-Arabien in Jemen wirklich unter Druck zu setzen. Auch die Verschiebung des zunächst für Mitte November geplanten Waffenstillstandes auf Ende des Jahres zeige, dass Washington seinen Verbündeten im Jemen noch immer freie Hand lasse.

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