Krawalle in Neapel

Trotz Ausschreitungen wegen einer geplanten Kehrichtdeponie im Neapolitaner Vorort Chiaiano will Regierungschef Silvio Berlusconi hart bleiben.

Dominik Straub/Rom
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Zusammenstösse in Chiaiano zwischen Demonstranten und der Polizei. (Bild: ansa/epa/Ciro Fusco)

Zusammenstösse in Chiaiano zwischen Demonstranten und der Polizei. (Bild: ansa/epa/Ciro Fusco)

Am Eingang zum Gelände der umstrittenen Deponie im Vorort Chiaiano nördlich von Neapel hängt seit dem Wochenende ein Schild: «Militärzone – Zutritt verboten». Doch Soldaten sieht man (noch) keine – vor dieser Eskalationsstufe ist die Regierung in Rom bisher zurückgeschreckt, obwohl sie letzten Mittwoch alle neuen Deponiestandorte per Dekret zu «militärisch-strategischen Gebieten» erhoben hatte.

Berlusconi, der versprochen hatte, den Abfall-Notstand in der kampanischen Metropole ein für alle Mal zu beenden, ist rasch von der neapolitanischen Realität eingeholt worden: Nur wenige Stunden, nachdem die zunächst geheim gehaltenen zehn neuen Deponiestandorte bekannt gemacht wurden, kam es am Freitagabend in Chiaiano zu ersten gewalttätigen Ausschreitungen. Diese spitzten sich am Samstag zu: Aufgebrachte Anwohner und Chaoten aus den autonomen Jugendzentren Neapels lieferten sich stundenlange Strassenschlachten mit der Polizei, bei denen über ein Dutzend Demonstranten und ein paar Polizisten verletzt wurden.

Bäume fällen, Bus anzünden

Die Proteste verliefen nach dem bekannten Muster: Die Demonstranten fällten mehrere Pinien, mit denen sie die Zufahrtsstrasse zur geplanten Deponie blockierten; ein entführter Bus der städtischen Verkehrsbetriebe wurde vor den Eingang gefahren und angezündet, Autos wurden umgekippt und Dutzende Abfallcontainer auf die Strasse geschoben. Die Demonstranten warfen Steine, volle Farb- und Leimkübel und vereinzelt Molotow-Cocktails; die Polizei antwortete mit Tränengas und Schlagstöcken.

Alle Augen auf Chiaiano

Um die Gemüter zu beruhigen, traf sich gestern der neue Staatssekretär für Abfälle, Guido Bertolaso, mit Vertretern der lokalen Behörden. Ob er Erfolg hat, wird sich erst weisen müssen. Denn die Regierung hat klar gemacht, dass sie sich von den Protesten nicht von der Eröffnung neuer Deponien wird abhalten lassen, während die Anwohner sich anschicken, den «Kampf für unser Territorium bis zum bitteren Ende» zu führen, wie einzelne Exponenten sagten. Berlusconi weiss, dass die Anwohner aller anderen Deponiestandorte genau beobachten, was in Chiaiano passiert – und nur darauf warten, ihrerseits im Fall eines Einknickens der Regierung auf die Barrikaden zu steigen.

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