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KOREA: Was Trump von Moon lernen kann

Der Konflikt um Nordkoreas Atomprogramm ist zwar noch lange nicht gelöst. Und dennoch war das innerkoreanische Gipfeltreffen am Freitag ein Erfolg. Nun liegt der Ball bei US-Präsident Trump.
Felix Lee, Peking
Nord trifft Süd: der Wagen des nordkoreanischen Führers in Begleitung von Sicherheitskräften, Kim Jong Un und Moon Jae In beim Pflanzen eines Baums, beim Handschlag nach einer gemeinsamen Erklärung und im Gespräch. (Bilder: AP/EPA (Panmunjom, 27. April 2018))

Nord trifft Süd: der Wagen des nordkoreanischen Führers in Begleitung von Sicherheitskräften, Kim Jong Un und Moon Jae In beim Pflanzen eines Baums, beim Handschlag nach einer gemeinsamen Erklärung und im Gespräch. (Bilder: AP/EPA (Panmunjom, 27. April 2018))

Felix Lee, Peking

Was für ein Tag: Das Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und dem demokratisch gewählten südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In am Freitag hat keineswegs nur ikonische Bilder produziert; Szenen etwa, wie die beiden Staatschefs inmitten des entmilitarisierten Grenzstreifens auf einer Parkbank sitzen und sich wie Vater und Sohn unterhalten. Oder wie sie sich zum Abschluss der mehr als achtstündigen Gespräche umarmen. Diese Bilder dürften nicht nur die Herzen vieler Koreaner berührt haben. Das Treffen hat auch ganz konkrete Ergebnisse geliefert.

Hervorzuheben ist, dass beide Seiten ihren Willen zur vollständigen nuklearen Abrüstung der koreanischen Halbinsel bekundet haben. Mehr noch: Kim und Moon wollen noch in diesem Jahr das bisherige Waffenstillstandsabkommen von 1953 durch eine Friedensvereinbarung er­setzen. Erstmals seit 65 Jahren könnte damit der Kriegszustand zwischen beiden Ländern beendet sein.

Zusammenführung statt Propaganda

Die Feindseligkeiten sollen sogar sofort ein Ende haben. Die ge­genseitige Beschallung an der Grenze mit Propaganda ist seit dem vergangenen Wochenende bereits gestoppt, der Gesprächsfaden auch zwischen den Militärs wieder aufgenommen. Beide Seiten wollen humanitäre Austauschprojekte so rasch wie möglich wieder aufnehmen, ebenso die Eröffnung eines Verbindungsbüros in Kaesong, der nordkoreanischen Industriestadt, in der bis vor zwei Jahren südkoreanische Unternehmer noch Fabriken unterhielten, bevor diese Zusammenarbeit den Sanktionen zum Opfer fiel.

Am 15. August soll es zudem erstmals seit Jahren auch wieder eine Zusammenführung von Familien geben, die seit dem Ende des Korea-Kriegs auseinandergerissen sind. Für die wenigen Überlebenden, die es noch gibt, ist das die einzige Gelegenheit, ihre Angehörigen noch einmal zu sehen.

Was die Denuklearisierung betrifft, sind beide Seiten zwar nicht konkret geworden. Das könnte vor allem beim vorgesehenen Treffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump in einem Monat noch zur Krux werden. Die USA haben bereits klargestellt, dass sie die konkrete Auslieferung von Atomwaffen fordern, bevor sie überhaupt nur die verhängten Sanktionen gegen Nordkorea lockern. Das Kim-Regime wiederum dürfte sehr viel mehr Entgegenkommen fordern, bevor es nur eine Rakete herausrückt. Schliesslich sind die Atomwaffen sein grosses Asset.

Und doch stehen die Chancen auf einen wahren Friedens- und Abrüstungsprozess dieses Mal weitaus besser als nach den letzten beiden innerkoreanischen Gipfeltreffen 2002 und 2007.

Parameter haben sich verschoben

Das ist allen voran Südkoreas sozialliberalem Präsidenten Moon zu verdanken. Nicht einmal ein Jahr im Amt, hat er mit seiner Entspannungspolitik weit mehr erreicht als alle seine Vorgänger der vergangenen Jahrzehnte. Doch auch mit Kim Jong Un als Machthaber haben sich die Parameter verschoben.

Auch wenn das der Rest der Welt nicht gerne hören mag – aber erst mit dem Bedrohungspotenzial von Atomwaffen kann der junge Kim sich mit einer sehr viel niedrigeren Hemmschwelle auf das Gesprächsangebot des Südens einlassen. Er bringt ohne Zweifel auf diese Weise eine wesentlich grössere Verhandlungsmasse in die Gespräche ein, als er sie ohne Atomwaffen hätte.

Trump ist gut beraten, beim Treffen Ende Mai nach einer ideologiefreien Lösung zu suchen, die es dem nordkoreanischen Regime auf möglichst ­gesichtswahrende Weise ermöglicht, wieder Teil der Weltgemeinschaft zu werden. Südkoreas Präsident Moon hat am Freitag vorgemacht, wie so etwas möglich ist.

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