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KOREA-KRISE: Kims Coup

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un überrascht mit seinem Gesprächsangebot die US-Führung. Doch auch wenn es zum Treffen kommen sollte: Die Positionen bleiben verhärtet.
Angela Köhler, Tokio
Die Fehde zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beschäftigt die ganze Welt. (Bild: Koji Sasahara/AP (9. März 2018))

Die Fehde zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beschäftigt die ganze Welt. (Bild: Koji Sasahara/AP (9. März 2018))

Angela Köhler, Tokio

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un schlägt US-Präsident Donald Trump ein Gespräch auf höchster Ebene vor. Termin und Ort sind noch nicht fixiert, aber schon bis Ende Mai soll es zu einer Begegnung der bisherigen Erzfeinde kommen. Der Vorschlag kam direkt vom Führer in Pjöngjang. Erleichtert äussert sich Südkoreas Staatschef Moon Jae In, der in dieser Woche bereits einem interkoreanischen Gipfel Ende April im Grenzkontrollpunkt Panmunjom zugestimmt hatte. «Wir sind an einem kritischen Punkt in unseren Bemühungen um Frieden und Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel angelangt.» Zustimmende Reak­tionen werden auch aus Peking, Moskau und Tokio gemeldet, auch wenn sich Japans Premier Shinzo Abe mit dieser Idee etwas schwertut, weil er damit nicht am Verhandlungs-, sondern eher am Katzentisch sitzt.

Spannend ist die Frage, wo dieser erste Spitzendialog zwischen den USA und Nordkorea statt­finden könnte. Aus sicherheitspolitischen Erwägungen scheiden wohl die Hauptstädte Washington und Pjöngjang aus. Seoul wäre nicht neutral genug, der Waffenstillstandsort Panmunjom zu negativ symbolbehaftet. Für Peking könnten sich wohl beide Seiten erwärmen. Vorstellbar wäre auch ein Treffen auf Hawaii. Dieser Ort läge nicht nur auf halber ­Strecke, er hätte auch eine politische Bedeutung, jedenfalls für Nordkorea. Kim Jong Un könnte mit einem Kranz die Opfer des ­japanischen Angriffs auf Pearl Harbour vom 7. Dezember 1941 ehren und damit demonstrieren, wie sehr Korea noch heute von der japanischen Okkupation traumatisiert ist.

Beleidigungen, Drohungen und Spott

Wer auch immer aus dieser Begegnung die grösseren Vorteile erzielt, ist Nebensache. Wichtig wäre eine Annäherung. Immerhin ist der Streit um das nord­koreanische Atom- und Raketenprogramm der weltpolitisch gefährlichste Konflikt, weil er als militärisch nicht lösbar gilt. Zudem kommen offene persönliche Animositäten. Kim und Trump haben sich mehr als ein Jahr lang gegenseitig mit Drohungen, Beleidigungen und Spott überzogen, dass eine Eskalation jederzeit zu befürchten war.

Wenn sich nun der «Raketenmann» aus Pjöngjang und der «Geistesgestörte» aus Washington die Hand reichen, wäre dies ein Entspannungssignal. Es bedeutet aber nicht, dass damit der Konflikt entschärft wäre. Die diametralen Positionen bleiben bestehen. Trump kann aus innenpolitischen Gründen nicht nachgeben. Und Kim sieht sich in einer Position der Stärke. Zum einen hätte er erreicht, was seinen Vorgängern stets verwehrt ge­blieben ist: Verhandlungen auf Augenhöhe mit dem Chef des Weissen Hauses.

Washington würde damit anerkennen, dass Pjöngjang eine ernst zu neh­mende atomare Gefahr werden könnte. Selbst wenn Nordkorea nur über eine einzige Bombe und eine Langstreckenrakete verfügen würde – es ist nun eine Macht. Kims Rechnung ginge damit auf, er hat seine knappen Ressourcen auf die nukleare Aufrüstung konzentriert.

Auf der anderen Seite kann kein US-Präsident zulassen, dass Nordkorea Zeit und Mittel erhält, sich zu einer Atomwaffen besitzenden Weltmacht zu mausern. Und schon gleich gar nicht können die USA Sicherheitsgarantien für das Überleben einer Diktatur geben, die sie zutiefst verachten. Und vor allem können sie die Sanktionen nicht aufheben.

Schliesslich ist es die immer schmerzhaftere Wirkung dieser Massnahmen, die Kim Jong Un an den Verhandlungstisch zwingen. Wenn sich Donald Trump gut beraten lässt, wird er versuchen, seinen Gegenspieler in eine multilaterale Abmachung einzubinden. Ziel muss es sein, auf der koreanischen Halbinsel eine denuklearisierte Zone abzusichern und zugleich regionale Interessenkonflikte zu befrieden oder wenigstens einzudämmen.

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